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Wenn die preise steigen.
Beim Fabrikanten häufen sich infolge dieser Deckungskäufe die Bestellungen,
und in der Meinung, er habe es mit einer dauernden Erscheinung zu tun,
sucht er seine Fabrikanlagen zu erweitern, d. h. der wachsenden Nachfrage
anzupassen. Ts wird mit liberstunden gearbeitet,- die gesamte Arbeiterreserve
wird herangezogen, um den Stoff zu der immer wachsenden Nachfrage
zu liefern.
Es kommt hinzu, das; man sich vor der der Hausse entsprechenden
Verbilligung (Entwertung) des Geldes (weniger Ware für dasselbe Gelb)
nur dadurch schützen kann, daß man sich des Geldes entledigt, und zwar
nicht durch Verleihen, durch Ankauf von festverzinslichen Papieren, von
Pfandbriefen, sondern durch Ankauf von Dingen, die an sich kein Geld sind
und auch nicht auf Geld lauten —also Waren, Grundstücke, Industrieaktien
(keine Bankaktien), Häuser, Land usw. Wer das nicht tut, sondern sein
Geld zur Sparkasse, zur Bank bringt, wer Pfandbriefe, Obligationen, Staats
anleihen, Wechsel usw. kaust, verliert einen der Hausse entsprechenden Teil
seines Vermögens. Gewiß, er erhält sein Geld auf Heller und Pfennig
zurück, für die nicht fest verzinslichen Papiere sogar erhöhten Zinsfuß, und
die Sicherheit der Anlage wächst auch. Nominell verliert er keinen Heller,
aber materiell, an der sogen. Kaufkraft des Geldes. 2n diese Kaufkraft
haben sich die Banknoten (und die mit diesen stets zusammen sich vermehrenden
Privattauschmittel) geteilt und ihr 10 — 20 — 3O°/ 0 geraubt.
Das führt dann notwendigerweise dahin, daß alle, die sonst ihr Geld
verliehen, sei es durch Ankauf von Pfandbriefen, von Wechseln oder Staats
papieren, sei es in Form eines Sparkassen- oder Scheckbuches, jetzt lieber
selber Dinge kaufen, die die Hausse direkt mitmachen. Eine Menge dem
Handel völlig fremder Personen werden jo der Börse oder dem Markte zu
geführt, die alles kaufen, was man ihnen anbietet. Dies bedeutet eine
Ausschaltung von Zwischenhändlern, eine beschleunigte Geldzirkulation, eine
vermehrte Nachfrage und steigende preise. Dauert die Hausse an, so beweist
dann schon die Erfahrung, daß jeder, der heute kaust, einen Vorsprung
über den hat, der sich die Sache nochmal überlegt und erst morgen kaust.
An Stelle der schwerfälligen Bedächtigkeit, die sonst eine Eigentümlichkeit
des Geldbesitzers ist, tritt die Hast. Eilfertig wird dem Makler Auftrag
gegeben, das Sparkassenbuch, die Wechsel, die festverzinslichen Papiere zu
veräußern und dafür Dinge zu kaufen, die auf der anderen Schale der
Wage liegen, und die hoch gehen, wenn die Geldschale fällt (Ware, Häuser,
Industrieaktien). Die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes wächst im Verhältnis
zu dieser Eilfertigkeit (oder verminderten Bedächtigkeit), und da das Angehst des
Geldes und somit das Tauschverhältnis zwischen Waren und Geld sehr wesentlich
durch die Schnelligkeit des Geldumlaufes beeinflußt wird, so
steigen jetzt die preise weit über die durch die Noten der Emissionsbanken
erweiterten Grenzen.*)
Den Anstoß zur Hausse mag die vermehrte Goldproduktion geben. Die anziehenden preise
erwecken spekulative Kauflust, eine privatwirtschastliche Nachfrage nach Geld. Dieser Nachfrage
*) Eine verdoppelte Schnelligkeit des Geldumlaufes ist für die preise einer Verdoppelung
der Geldmenge genau gleichbedeutend.