intensive Werbearbeit für den Zuckerrüben-
bau in kurzer Zeit Wandel geschaffen. Der Zucker-
rübenbau. erfuhr eine immer größere Ausdehnung,
neue Zuckerfabriken entstanden und heute kann
Oesterreich mit Stolz auf eine Zuckerrübenerzeugung
hinweisen, die nahezu 65°% des Bedarfes zu decken
‘mstande ist. Damit ist aber auch eine bedeutende
Verbesserung des Kulturzustandes der Aecker erreicht
worden, die sich in höheren Erträgen an anderen
landwirtschaftlichen Kulturpflanzen bemerkbar macht,
die damit verbundene Einstellung einer großen Zahl
von Arbeitskräften, welche mit zur Verhinderung
der Arbeitslosigkeit beiträgt, sei nur nebenbei er-
wähnt.
Es wären die Aufgaben einer Pflanzenbauförderung
aur zum Teil erfüllt, wenn sie sich nur auf das
Getreidebaugebiet erstreckt hätten; es mußte auch für
die großen Gebiete Oesterreichs gesorgt werden, in
denen der Hauptbetriebszweig - die Viehzucht ist.
Diese zu heben war vor allem eine Erhöhung der
Futtererträge notwendig. Es galt, die vorhandenen
natürlichen Futterflächen, wie Wiesen und Weiden,
30 zu verbessern, daß sie vieles und nur stoffreiches
Futter geben, es galt aber auch, die schlechten und
aicht verbesserungsfähigen Futterflächen durch Um-
wandlung in Kunstfutterflächen ertragsfähig zu machen.
Dadurch wird eine Steigerung der Futtererträge bis
auf das Doppelte erreicht, die schätzungsweise
300.000 Zentner Heu beträgt. Die dazu erforder-
lichen Gras- und Kleesamen werden aus Bundesmitteln
im Wege der landwirtschaftlichen Hauptkörperschaften
verbilligt abgegeben. In den letzten Jahren ist die
Umwandlung von zirka 80.000 Hektarschlechttragender
Kulturwiesen in Kunstwiesen dadurch ermöglicht
worden. Zur Verbreitung des neuzeitlichen Futter-
aues in den Bundesländern wird überdies eine rege
Aufklärungsarbeit entfaltet, welche Versammlungen,
Kurse, Wiesenbesichtigungen, Anlage von Lehrgräser-
gärten usw. umfaßt. Die für die Anlage von Kunst-
utterflächen erforderlichen Grassamen werden zum
F’eil aus dem Ausland bezogen; sie sind aber nicht
io ertragreich und langlebig wie es die einheimischen
‘zräsereien waren. Aus diesem Grunde wird die
ıeimische Gräserzüchtung nach Kräften aus Bundes-
nitteln durch verbilligte Abgabe von ertragreichen
Jerkünften verschiedener Gräsereien zur Vermehrung
ınd Weiterzüchtung gefördert.
Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, daß auf allen
zebieten des Pflanzenbaues mit Eifer gearbeitet wird,
ım die Erträge möglichst zu erhöhen und Oesterreich
‚om Auslandein diesen Belangen unabhängig zumachen.
Damit sind aber noch nicht die Wiederaufbau-
ırbeiten erschöpft. Es gilt auch noch die vorhandenen
“Jächen, welche einen sehr geringen oder fast keinen
“rtrag ergeben, ertragreich zu gestalten, also neues
Culturland zu schaffen. Oesterreich besitzt an ver-
umpften, versauerten Flächen, an Hutweiden und
Yooren ungefähr 400.000 Hektar. Um sie in Kultur-
and umzuwandeln, müssen die versumpften Flächen
merst entwässert und dann, wie die Hutweiden, durch
lie eigentlichen Kultivierungsarbeiten in Kulturland
ımgewandelt werden. Mit dieser Art der Wieder-
‚ufbauarbeiten wurde erst vor zwei Jahren begonnen
ınd trotz der kurzen Zeit und der verhältnismäßig
pärlichen Geldmittel, die hiefür zur Verfügung stehen,
zonnte doch schon bereits ungefähr 8800 Hektar
ıeues Land gewonnen werden, das mit einem Mehr-
ırtrage im Werte von zirka 6,000.000 Schilling ein-
zeschätzt werden kann.
Obwohl vorstehende Ausführungen über den Wieder-
ıufbau im landwirtschaftlichen Pflanzenbau den Rahmen
ner sehr flüchtigen Skizze nicht übersteigen, so kann
loch daraus ersehen werden, daß die österreichische
‚andwirtschaft trotz aller schwarzseherischen Prophe-
'eiungen es zu Wege gebracht hat, in einem kühnen
\ufschwung die österreichische Bevölkerung von dem
;chreckgespenste des Mangels an den wichtigsten
Nahrungsmitteln zu befreien.
ZUCKERRÜBENBAU UND ZUCKERPRODUKTION IN ÖSTERREICH
Von Ferdinand Bloch-Bauer und Dr. Gustav Mikusch.
Die Entwicklung, welche Zuckerrübenbau und
Zuckerproduktion während der zehn Jahre des
Bestandes der österreichischen Republik genommen
haben, ist höchst bemerkenswert und von österreichischem
Standpunkt sehr erfreulich. Wie noch später genauer
ausgeführt werden wird, hatten sich der Rübenbau und
die Zuckererzeugung am Ende des Krieges in einer höchst
ungünstigen Lage befunden und in den ersten zwei
Jahren des Bestandes der jungen Republik verschlim-
merten sich die Verhältnisse noch weiter, dann aber
ging es stetig aufwärts und Oesterreich, das in der
schlimmsten Zeit bloß 6°2% des Verbrauches aus der
oigenen Erzeugung decken konnte, ist heute so weit.
laß es im Betriebsjahr 1927/28 54'5% des Verbrauches
nit eigenem Zucker zu versorgen vermochte. Dabei be-
iteht begründete Hoffnung, daß sich der Rübenbau auf
1eue Gebiete erstrecken und in den alten weiter ver-
lichten werde.
Von den im heutigen Gebiet der Republik Oesterreich
yestehenden Zuckerfabriken ist Dürnkrut die älteste. Sie
vurde 1845 gegründet. Am Beginn der zweiten Hälfte
les neunzehnten Jahrhunderts wurden die beiden burgen-
ändischen Fabriken errichtet, und zwar 1850 Hirm und
853 Siegendorf. Beide Fabriken sind gemischte, sie ver-
ırbeiten Rübe und verfügen über eine vollständige
iaffinationseinrichtung. Im Jahre 1860 eröffnete die