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Arbeiterinnen. Aber da die größte Zahl der Angestellten aus kauf
männischen Berufen stammte, so hielt es der Verein für geboten, seinen
Namen 1900 in „Kaufmännischer Hilfsverein für weibliche Ange
stellte“ zu ändern. Der Verein zeigte schon in den ersten Jahren eine
sehr rasche Zunahme der Mitgliederzahl, die deutlich beweist, wie stark
das Bedürfnis nach Zusammenschluß war. Da man bald die Notwendig
keit einer Zusammenfassung der Angestellten auch außerhalb Berlins
erkannte, wurden in den verschiedensten Orten Zweigvereine gegründet,
die dieselben Bestrebungen vertraten. Es waren das zunächst rein
lokale Ortsgruppen, die völlige Unabhängigkeit von dem Berliner
Hauptverein bewahrten. Auf diese Art wurden aber die Kräfte der
Hane lungsgehilfinnen sehr zersplittert, es mußte sich daher sehr bald
der Gedanke einer Zusammenfassung durchringen. Zunächst wollte
man die einzelnen Vereine selbständig lassen, nur die Leitung und
Verteilung der Aufgaben einer Zentralstelle überweisen. Da dieser
Plan scheiterte, ging der Verein seit 1902 dazu über, nur noch abhängige
Verwaltungsstellen zu gründen, die einheitlich nach den Anweisungen
der Zentralstelle in Berlin geleitet werden. Durch diese straffe Zu
sammenfassung ist die einheitliche Durchführung der Aufgaben ge
sichert. Nachdem der Verein so seine Tätigkeit über ganz Deutschland
erstreckt hatte, nennt er sich jetzt „Kaufmännischer Verband für
weibliche Angestellte“.
Die Anfänge zu seiner jetzigen Stellung innerhalb der Berufs
organisationen liegen erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts und
gehen zum wesentlichsten Teil zurück auf die Umgestaltung, die der
Verein in seinem inneren Aufbau erlebte. Die Leitung war zunächst
den Gründern überlassen. In dieser Zeit wollte der Verein daher auch
weiter nichts erstreben, als bestehende Übelstände bei den einzelnen
Beteiligten selbst zu beseitigen. Es wurden daher ein Stellennachweis,
Krankenunterstützung, auch Bildungsgelegenheiten geschaffen. In
dem Maße aber, wie die Angestellten durch diese Hilfe erstarkten und
zur Betätigung im Verband erzogen •wurden, mußte auch der Wunsch
entstehen, selbst die Leitung zu übernehmen. Es schien einleuchtend,
daß aus ihrer Mitte hervorgehende Führerinnen ihre Bedürfnisse besser
keimen mußten als fernerstehende und besser geeignet seien, sie zu
vertreten. Personen, die die Bestrebungen des Vereins fördern wollten,
aber nicht kaufmännisch tätig sind, -wurden daher von jedem Einfluß
auf die Stellung des Vereins ausgeschlossen. Der Verband lehnt fremde
Hilfe ab und betont sehr deutlich den rein gewerkschaftlichen Charakter.
Darin hat er wohl bis jetzt unter den Frauenorganisationen eine Einzel
stellung, da bisher kein Verein eine derartige Hilfe abzulehnen hat
wagen können. Diese Umwälzung ist sehr wichtig, da sie einen weiteren