Object: Finanzen und Steuern im In- und Ausland

334 Siebentes Buch. Zweites Kapitel. 
Von hier suchte er die süddeutschen Fürsten, namentlich den 
Herzog Rudolf von Schwaben, der schon mit einem Teile des 
Polenheeres bei Mainz stand, gegen die Sachsen mobil zu machen; 
in gleichem Sinne wandte er sich an die Thüringer. Beide Teile 
versagten. Die Thüringer machten gemeinsame Sache mit den 
Sachsen, sie brachen die königlichen Burgen ihres Landes; die 
Laienfürsten nahmen in ihrer Unthätigkeit Rache für die Mini— 
sterialenregierung des Königs. 
Da endlich legten sich die großen geistlichen Fürsten des 
Reiches ins Mittel. Die Erzbischöfe von Mainz und Köln be⸗ 
gannen zwischen den feindlichen Parteien zu verhandeln; sie 
brachten es auf einem Tage in Gerstungen dahin, daß sie die 
Sachsen dazu verpflichteten, gegen Zusicherung freien Geleites 
und voller Straflosigkeit auf Weihnacht 1073 Genugthuung 
zu leisten. 
Vergebliches Mühen! Die Sachsen, bisher Sieger im Auf⸗ 
stand, bereuten bald ihre Nachgiebigkeit, und nunmehr wandten 
sie, vermutlich zur Erlangung freier Hand, ein höchst verwerf⸗ 
liches Mittel an, um den König endgültig zunächst von den 
süddeutschen Fürsten zu trennen. Ende des Jahres 1073 er— 
frechte sich Regenger, ein Mitglied des königlichen Gefolges, 
der Behauptung, der König habe ihn zur Ermordung Rudolfs 
von Schwaben, Bertholds von Kärnten und anderer Fürsten 
gedungen. Es war eine plumpe Erfindung, von deren Elendig— 
keit die Zeitgenossen bald durch das traurige Ende des Ver— 
räters in plötzlichem Wahnsinn überzeugt wurden. Allein, schon 
hatte sie auf politischem Gebiete gewirkt. Die Versöhnung um 
Weihnacht des Jahres 1073 war durch sie vereitelt worden; und 
neuere Verhandlungen auf einem zweiten Tage zu Gerstungen, 
am 2. Februar 1074, täuschten nur über die Schwierigkeiten 
hinweg. Zwar wurden einige Abmachungen getroffen, und man 
konnte hoffen, ihnen auf einem neuen Tag zu Goslar, den 
10. März 1074, befriedigenden Abschluß zu geben. 
Aber das war nicht die Meinung des sächsischen Stammes. 
Mit der Hellsicht des Hasses hatte die Menge der Freien im 
Volke die Schwierigkeiten der Lage erkannt; mit Mißtrauen
	        
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