Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

332 Siebentes Buch. Zweites Kapitel 
ihn zum Kampf, eroberte Scheidungen und brachte die fürst— 
liche Verbindung zu Falle. Doch war sein Sieg nicht so voll⸗ 
kommen, daß er völlige Ruhe im Lande geschaffen hätte; als 
sicherstes Ergebnis blieb, daß der König sich die Zuneigung der 
Thüringer verscherzt hatte. 
Unter diesen Umständen konnten an sich nicht entscheidende 
Vorgänge zum revolutionären Ausbruch allgemeiner Unzufrieden⸗ 
heit in Sachsen und auch in Thüringen führen. 
Herzog Otto von Nordheim hatte das Mißtrauen Heinrichs 
schon durch seine Beteiligung am Kaiserswerther Königsraub 
wachgerufen; neuerdings war er als Teilnehmer der Thüringer 
Fürstenverbindung genannt worden. Da trat im Jahre 1070 
ein verworfener Mensch edlen Standes, Egino, auf und denun— 
zierte sich alb von Otto zur Ermordung des Königs gedungen. 
König Heinrich, der dem Ankläger halben Glauben beimaß, 
ordnete demgemäß das Beweisverfahren durch Gottesurteil vor 
seinem Gerichte in Goslar an. Otto stellte sich auch dem Ge— 
richte, doch entzog er sich unter dem Vorwande des versagten 
freien Geleites dem Zweikampfe. Nun verlief das Verfahren 
zu seinen Ungunsten: als Hochverräter ward er geächtet. Da 
entwich er in die Urwälder des thüringischen Gebirgs, sammelte 
dort eine Gruppe verwegener Männer um sich, brach mit diesen 
gegen das Thüringer Reichsgut vor und schlug sich von da 
nach Nordosten hin durch, zu Magnus, dem Sohne des sächsischen 
Herzogs. Es war der Beginn der trostlosen Sachsenkriege 
während der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, und ihre 
Seele ward Otto von Nordheim. 
König Heinrich belehnte inzwischen in Goslar Welf, den 
Sohn des Markgrafen Azzo von Este, mit dem bairischen 
Herzogtum und brach nach Süden auf, ihn einzuführen. 
Otto hatte inzwischen die Burg Hasungen am Habichts- 
walde besetzt, und Heinrich zog nun von allen Seiten Truppen 
dagegen zusammen. Aber noch einmal verständigte man sich 
gütlich dahin, daß Otto sich zu Ostern in Köln dem Könige 
unterwerfen sollte. Darauf kam es Pfingsten 1071 zu Halber— 
stadt in der That zur Unterwerfung Ottos wie aller sonst auf⸗
	        
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