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Renntierfledhte. Wderbau und BiehHzucht Können hier nidt getrieben wer-
den, die Menntierzucht und der FijdHfang bilden beinahe die einzige
Erwerbsquelle der fpärlidhen, zum größten Teil nomabifierenden Be-
völferung. SüdlidH vom Polarkreis fängt die Zone der Nadelwälder
an, und hier find au, wenn aud unter großen Schwierigkeiten, Ader-
bau und Viehzucht mögliH. Der Sommer ift nur kurz, und nur ZU
häufig fan das Getreide wegen ungünftiger Witterung nicht ausreifen.
Die Boden|Häke des rullijden Nordens, insbejondere der Sft»
liden Hälfte, find, wie angenommen wird, redt bedeutend, doch bisher
noch fo gut wie gar nicht erforfht. Das ungünitige, für men{Olidhe
Anfiedlung nur wenig geeignete Klima, Jowie die von allen Vers
fehrswegen abgelegene geographijde Lage bdiefer Gebiete Haben
eine genaue und fyltematijdje Erforfhung, fowie eine Ausbeute der
entdedten Bodenihäge in nennenswertem Umfange bisher unmöglich
gemacht. Daß aber immerhin nicht unbedeutende Beitände wertvoller
Boden[häkge vorhanden find, Iajfen die vielen mehr oder weniger 3U-
fällig gemachten Funde vermuten. An verjdhiedenen Stellen find jilber»
haltige Bleierze gefunden, wie z.B. an der Kandalakjhen Küljte (nord
weltliden Külte des Weißen Meeres), auf den Bären-Inieln nahe der
Ditfülte der Halbinfjel Kola und am Fluffe Zylma, einem Jlinfen Neben»
jTuß der Petfhora. Un den Ufern diefes Flulfjes hat man au Kupfer
gefunden. Goldlager finden fiH an der Grenze des Kreiles Kem des
Gouvernements Arhangelit und des Gouvernements Olonez und find
aud) in der Mitte des 18. Jahrhunderts ausgebeutet, dann aber wegen
zu geringen Ertrages wieder verlaffen worden. Am Udta-Fluß im
Bailin der Petihora ijt das Vorkommen von Naphtha feltgeftellt wor-
den, an vielen Orten aud) Steinkohle und Torf. Alle diefle Entdbedungen
tragen, wie erwähnt, einen mehr oder weniger zufälligen Charafkter
und find in ihrer Bedeutung nicht eingehend verfolgt worden, jo dab
hier zweifellos ein weites Gebiet für [yjtematildhe For[hHungen vOr-
liegt. Borbedingung einer Ausbeute diefer Bodenihäke märe aber
freilid) die Schaffung von Verkehrswegen.
Die Urbevölferung des gefamten rujlijden Nordgebietes bilden
finnifh-mongolilde Stämme, während die Grokrujfen als Kokonifjten
beinahe aus[liehlidH längs den Flüfjen vorgedrungen find und in
ber Hauptlache die Städte und Heineren OrtjHhaften bewohnen. Erlt
in den füdlidheren Teilen des Gouvernements Olonez und Wologda
ft eine überwiegend grokrufliide Bevölferung zu finden. Lappland
wird von den Lappen bevölkert, die zum ugro-finnijden Volfsitamme
gehören. Ein Teil führt ein NMomadenleben und befdhäftigt fidh mit
Renntierzugt und Jagd, ein anderer lebt vom Fijhfang. Weiter Ölt-
[idj leben die Samojeden, ein mongolijder Bolksjtamm, der JiQ) gleich-
falls mit Renntierzucht, Xaad und Filhfang beichäftigt und in der