Full text: Die wirtschaftliche Zukunft des Ostens

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Bon allen Zweigen der Landwirt/Haft Hat die ViehzudhHt ohne 
Zweifel am ftärfjten dur den Krieg ZU Jeiden. Polen vermochte 
jeinen Fleijdhbedbarf [hon vor dem Kriege nicht jelbjt zu deden, jondern 
war auf die Einfuhr rujjijdhen VBiehs angewiefen. Da diefes bei den 
primitiven rullijlden AWufzuchtverhältniflen relativ billig war und auch 
troß der hHinzukommenden Iransportkofjten und Spejen dem polnijdhen 
Nbnehmer billig zu jtehen kam, drücte diefer Import felbftverftändlid 
die Preije, die für einheimijhes Vieh gezahlt werden KIonnten. 
Mit jteigender Ertragsfähigieit des Landes hat ji die MNah- 
rungsmittelinduftrie bedeutend gehoben. Von 717 derartigen Unlagen 
im Sahre 1901/02 ijt deren Zahl auf 3032 im Nahre 1910 geltiegen. 
Neben den Brennereien find Kartoffeljtärke= und Kartvoffel- 
flodenfabrifen entjtanden. Die Zahl der Zuderfabrifen ilt 
in Bolen auf 53 geftiegen. Sie hatten 1913/14 eine Produktion von 
über 3000000 Zentiner Zuder. Die meijten Zuderfahriken liegen in 
dem Gouvernement MWarfhaw und zwar in dem Kreije Kutno, 
Genauere Angaben über die infolge der rufli[dhen Tarifpolitit ganz 
darniederliegende Müllerei können nidt gebradt werden. Wind- 
und Waffermühlen, ebenjo wie Heinere SGutsdampfmühlen find im 
ganzen Lande verftreut. Gröhere indufjtrielle Mühlenanlagen [ind in 
den fekten Jahren, vor dem Kriege, infolge der eigenartigen 3Zollver- 
Hältnijje mit Deutjdhland, an der deutjden Grenze entitanden, im 
Snnern des Landes fehlen fie fajt gänzlid. 
Nad den Angaben von Marcell Levy ijt in den Sahren 1907 
bis 1910 durh[HnittliH pro Yahr aus Rußland viel mehr an Agrar 
produkten eingeführt worden, als von Polen nad) Rußland ausgeführt 
worden ijt; es betrugen die Mengen der jährligen Mehreinfuhr in 
Bud (3 Pud= 1 Zentner): 
Roggen. . +... 0.0... 2146600 Bud 
Roggenmehl . . . . . + +. 242000 „ 
Srüße . .. Wu 2336000 „ 
Weizenmehl . 9103000 „ 
Hafer + . 5425000 ‚, 
Es ilt Mar, daß die Überfhwemmung des polnijden Marktes mit 
zuffilden Agrarprodukten zwar die Preije für den Verbraucher fenkte, 
andererfeits aber der polnijden Landwirtfdhaft zum großen Teil den 
AUnfporn zur Hebung der eigenen Produktionswirt]Haft nahm und die 
Ernährung des Landes abhängig madte von der ruflijdgen Zufuhr. 
Das meijte nad) Polen eingeführte Getreide Lam aus den Gouvernements 
Saratow, Poltawa und Befjjarabien. Der Ausfall diejer Zufuhren 
zufammen mit den Verwültungen, die dem Lande infolge des Krieges 
nicht er[part blieben, verurjaden jeßt die Schwierigkeiten in der Er- 
nährung der polniiden Bevölkerung 
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