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Um 3u zeigen, daz eine Jolde Bewaldungsziffer unzureichend
iit, muß man [ig erinnern, daß das Deutjhe Reid) bei einer Bewal-
dungsziffer von 25,9 % nur etwa vier Fünftel feines Hokzbedarfs
im eigenen Lande zu erzeugen vermag.
Nah amtlidHen Angaben umfakt das Waldareal Polens gegen-
wärtig eine Fläche von 2218000 Hektar, hiervon entfallen rund [eds
Zehntel auf den Grokgrundbefig, ein Zehntel auf den bäuerlichen
Belig, und etwa drei Zehntel ijt Staatsbeliß.
Vorherridhend find Kiefern- und FidHtenbeftände, dog gibt
es auch, HauptlächliH im Wejten und Südwelten, umfangreiche Eidhen-
wälder; die Buche findet-in Polen die öftlidHe Grenze ihrer natürlidhen
Berbreitung. Die Edeltanne ijt nur im Süden des Gouvernements
MWarihau hHeimifch; die Lärche tritt in den füdlidHen Teilen Polens
beftandbildend auf. Die Eibe (Taxus baccata) geht {tark zurüd und if
nur vereinzelt: zu. finden. — Die Hainbuche ijt im Mijdhwalde überall
vertreten. An Laubhölzern finden wir nod) mehr oder weniger
verbreitet die Birke, Wipe, Ahorn, Rüiter, Eiche und verihiedene Wei-
denarten.
Die Forftwirt[Haft fteht nidt entfernt auf der Höhe der
deutichen, troßdem die Oberleitung vieljad) in den Händen deutjdHer
Vachleute lag. Hauptgründe der Rücjtändigkeit find die Höchlt
nangelhaften Wegeverhältnijje und die wenigen Eijenbahnen. Die
Kronsforfjten [ind am bejten hewirtjhaftet. Die Forjtwirtjdhaft der
Srokgrundbeliger leidet, wie bereits [hon des näheren angeführt wor-
den ift, ftarf unter dem 1864 der häuerliden Bevölkerung gewährten
Recht, ihren Holzbedarf abgabefrei aus dem „Herrenwalde“ zu Holen;
eben[o unter dem Recht des Bauern, im Gutswalde fein Vieh 3u
meiden.
Die Holzpreife find verhältnismäkig hoch, da das waldarme
Bolen feinen Holzbedarf nicht entfernt jelbjt dedt.
Über den Holzhandel und Holzbebarf it bereits an an
derer Stelle berichtet worden.
Der jährlide Holzertragswert der polnijden Wälder betrug
Ausbruch des. Weltkrieges annähernd 15,5 Millionen Rubel.
Dur. die Erfhütterungen des Weltkrieges ijt Polen auf allen
Sebieten feines Wirtjdhaftslebens ftark in Mitleiden]dhaft gezogen wor-
den; der neue polnijdhe Staat wird daher alle Jeine Kräfte anipannen
müjfen, um das Wirt[haftsleben neu aufzubauen und es einer günftigen
Entwidlung entgegenzuführen. Wenn aud) die wirt[dHaftlidhen Bor-
ausjeßungen auf manden Gebieten als günitig gelten fönnen, [o
ergeben [id doch für den Staat ganz gewaltige WNufgaben, die er zu er»
füllen haben wird. um allen Anforderungen, die an ein mobernes
BDTE