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befonders aber audy an dem Umfjtand, daß damals eine zahlreiche
deutfde Auswanderung im Gang war.
Eine fpätere Zeit brachte eine größere induftrielle Einwanderung
nach Kongreß-Polen. In die zwanziger Yahre des 19. Iahrhunderts
fallen die erjten Anfänge von Lodz im Gouvernement Petrifau. Dort
entjtand- eine befonders privilegierte Kolonie deutjdHer Spinner und
Weber, die aus Schlefien, Sadjen und Böhmen zuwanderten. AWber
erjft im legten Viertel des vorigen Jahrhunderts erhob id Lodz in
wenigen Yahrzehnten zur indujtriellen Grokijtadt. Die rujlijde Schub-
zollpolitif und die Förderung induftrieller Unternehmungen innerhalb
der rufjiihen Zollgrenzen blieb nicht ohne Wirkung. In Lodz — nahe
der Grenze — waren die Anfänge einer deutfiden Indujtrie in Meinem
Makitabe fHon vorhanden; nun wurde diejer Ort zum Wanderziel
vieler Deutjcher, deren gewerblider Tüchtigfeit die zu Beginn des
Weltkrieges eine halbe Million Einwohner zählende Stadt ihren Ruf
verdankt. Die Ihlefilde Textilindujtrie, deren Erzeugnijje im Often
bis an den Ural ihren AWbjag Hatten, und die durch die rullijdhe Schub:
zollpoliti£ eine Schädigung erfuhr, entwidelte in Lodz, jenjeit der
Zollgrenze, einen Wbleger.
Außer in Lodz haben fiH au in anderen Städten Kongreß
Polens Deutidhe niedergelafjen; man trifft fie überall; ihre Zahl und
ihr Einfluß it aber nirgends annähernd [jo groß, wie in der Stadt
Lodz, die 1913 unter ihHren Einwohnern 121000 Deutjche zählte,
Die Gejamtzahl der DeutfjhHen in Kongrek-Polen betrug 19153
nad) dem polnijhHen fjtatijtilden Yahrbud Rocznit Statyjtyczny Krov-
lew/twa Polskiego (von 1915) — 719000, d. h. 5,5% der Landes:
bevölferung. 2/, bdiejer Deutiden wohnen auf dem fladen Land,
1/, in Städten, Die ländliden deutichen Siedlungen konzentrieren Kid
in folgenden Gegenden:
L. im Nordwelten Kongrek-Polens, vom nördliden Teil des Gou-
vernements Kali beginnend, in breitem Streifen parallel der frühe:
ten deutjden Grenze nordofjtwärts bis an die Grenze Oltpreukens;
in der Gegend von Lipno, in der Weichfelniederung, ijt da die deutiche
Siedlung am Ddichtelten — bis 40% der Bevölkerung;
2, im Sübdweften: in der Gegend von. Lodz und von Petrikau;
3. im Norden: im Gouvernement Suwalki, in der Gegenb von
Woyltownyfziy, im ethnologijdh Kitauijhen Gebiet;
4. im Südolten: in der Gegend von Chelm (oder Cholm), im
ufrainijden Grenzgebiet.
Außerdem finden fid deut/de Bauerndörfer am Lauf der Weichte)
an verfdhiedenen Stellen und im Lande hier und da verftreut,
In Prozenten der Gejamtbevölferung lebten Deutidhe in Den
eimelnen Gouvernements (alter Einteilung):