— 306 —
SZaratow und die fpätere Gründung eines Priefterjeminars am felben
Ort hierin einen Wandel [Huf
Ein höher entwideltes deutjdhes Schulwejen gab es in den balti-
(hen Ländern, wo die Univerjität in Dorpat und das Polntedhnikum
in Riga Deutfidhe aus ganz Rußland zum Studium vereinten. Höhere
deutfde MitteljdhHulen bejtanden aukerdem no {in Lodz, in Peters-
burg, in Moskau; die Berjudhe der Kolonijften an der Wolga und im
Schwarzmeergebiet, Höhere deutjde Mitteljdhulen ins Leben zu rufen,
ieiterten am Widerftand der Reidhsregierung. In den Bauernkolonien
herrichte ein fehr primitives, von den fogenannten Külter-Lehrern ge-
handhabtes Bolishulwejen vor. Ein befjer ausgebildetes Schulwejen
hatten die Scohwabenkolonien in TIranskaukajien. Die Ruklfifizierung
in den lebten Jahrzehnten vernidtete alle Anjäge zu einer weiteren
Entwidlung des deutfden Schulwejens, und eine Kurze freiheitlicdhere
Strömung nad) 1905, wo überall deutjde Schulvereine entjtanden,
wid) fehr bald einer neuen Unterdrüdung aller. Requngen für eine natio-
nale Kultur der „Fremdltämmigen“.
Deutjhe Tageszeitungen und Zeitfdhriften erfhienen eine ganze
Anzahl in den größeren haltijden Stähten, in den Neineren Kreisjtädten
Wochenblätter. Deutide Zeitungen gab es fonft nod) im ruljijden Reid
in Lodz, in Petersburg, in Moskau, in Saratow, in Odella, in Alexan-
drow]f, in Tiflis.
Nach 1905 entftand ein Streben der Deut/dhen in Rukland, lid in
ihren verfhiedenen WohHngebieten zu ‚KIulturellen Vereinen zujammen-
zu/lieben, und einen Zujammenhang diejer Vereine im ganzen rufft-
iden Reich zu [Haffen, [Hien die weitere Aufgabe. Nicht gegen irgend-
zin anderes Volistum gerichtet, fondern nur für die Bildung und CEr-
;iebung der eigenen Bolisgenoffen und zur Förderung ihrer wirt{Oaft-
lien Tüchtigkeit follte die Einigung der Deutjhen in Ruhland ge
idaffen werden. Es fam aber nicht mehr dazu. Der große Krieg warf
jeine Schatten voraus und zerftörte dann, was fHhon gebaut war, Troß
mander, befonders in den Baltijden Landen, erfreulider Leiltungen
der deutfhen Schulvereine, bleibt es aber doch fraglidH, ob auf dem
Wege freier Vereinigungen, denen man nad) Belieben angehören fann
oder nicht, nationale Fragen der Gegenwart für einiae Dauer zu Iöfen
find. Es darf bezweifelt werden.
Bei national gemifdten Bevölkerungen gibt es nur
zine Löfung, die jedermann feine Iulturelle Selbfjtbe:
itimmung gewährleijtet: es ijt die obligatori[de 3Zujam:
menfaffung der einzelnen Nationalitäten zu Tulturel-
len Zwedverbänden, denen in kulturellen Dingen Das
Redht der Selbjthbefteuerung zuijteht; gleichzeitig muß
das Haatlihe Steuerinitem fo aeordnet fein, dahH nie: