Full text : Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910 sowie die Ergebnisse der Bevölkerungsaufnahmen in den Jahren 1911 bis 1917 im hamburgischen Staate

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II.  2.  Die  Bevölkerungsverschiebungen  innerhalb  der  Stadt.

Vom  Hundert  der  Bevölkerungszunahme  der
fünfjährigen  Periode  kamen  im  hamburgischen
Staat  34,56  auf  den  Überschuß  der  Geborenen  und
65,44  auf  den  Wanderungsüberschuß;  doch  lagen
diese  Verhältnisse  für  die  Geschlechter  verschieden,
da  der  Geburtenüberschuß  beim  weiblichen  Geschlecht ­
  etwas  größer  war  als  beim  männlichen  (im
Staate  rund  2300  mehr),  der  Wanderungsüberschuß
hingegen  beim  männlichen  Geschlecht  erheblich
stärker  gewesen  ist  (um  rund  5100)  als  beim
weiblichen.
Die  Größe  und  Art  der  Bevölkerungszunahme
im  Staate  in  den  Jahren  1867  bis  1910.

Tab.  2.
Volkszählungs ­
 ­


Bevölkerungszunahme

im
ganzen

Überschuß
der  Geborenen
über  die
Gestorbenen

Überschuß
der  Zugezogenen
über  die
Weggezogenen

Anzahl

%

Anzahl

%

1867—1871..

32  467

8  463

26,07

24  004

73,98

1871—1875.  .

49  644

15  031

30,28

34  613

69,72

1875—1880..

65  251

28  864

44,24

36  387

55,76

1880-1885..

64  751

27  801

42,94

36  950

57,06

1885—1890.  .

103  910

27  708

26,67

76  202

73,83

1890—1895..

59  102

37  793

63,95

21  309

36,05

1895—1900..

86  717

52  573

60,63

34  144

39,87

1900—1905..

106  529

43159

40,51

63  370

59,49

1905—1910..

139  786

48  310

34,56

91  476

65,44

Die  Tabelle  2  gewährt  einen  Überblick  über
Größe  und  Art  der  Bevölkerungszunahme  im  Staate
in  den  Jahren  1867  bis  1910.  Verfolgen  wir  den  Anteil
beider  Zu-  bzw.  Abnahmequellen  für  den  Staat  im
ganzen,  so  finden  wir,  daß  der  Geburtenüberschuß
bis  1900  der  absoluten  Zahl  nach  ziemlich  regelmäßig ­
  von  Abschnitt  zu  Abschnitt  gewachsen  ist.
In  dem  ersten  Jahrfünft  des  neuen  Jahrhunderts  ist
dagegen  ein  nicht  unbeträchtliches  Sinken  des  Geburtenüberschusses ­
  zu  beobachten,  der  auch  in  der
Berichtszeit  trotz  einer  ziemlich  beträchtlichen
neuerlichen  Zunahme  nicht  wieder  die  Höhe  des
Jahrfünfts  1895/1900  erreichte.  Der  Wanderungsgewinn ­
  ist  in  der  Zeit  bis  1890  der  absoluten  Zahl
nach  regelmäßig  gestiegen,  hat  dagegen  in  den  beiden
Jahrfünften  1890/95  und  1895/1900  einen  starken
Rückschlag  erfahren.  Im  neuen  Jahrhundert  hat
der  Anteil  des  Wanderungsgewinns  wieder  stark  zugenommen ­
  und  von  1905  auf  1910  mit  91476  Personen ­
  eine  bisher  nicht  beobachtete  Höhe  erreicht.
Der  seit  1900  wahrzunehmende  stark  wachsende
prozentuale  Anteil  des  Wanderungsgewinns  ist
außer  auf  gesteigerten  Zuzug  auf  den  bereits  1895
einsetzenden  stetigen  Rückgang  der  natürlichen
Bevölkerungsvermehrung  zurückzuführen.
Die  im  Volkszählungsabschnitt  1905/10  für  den
hamburgischen  Staat  errechnete  Zunahme  von
15,98  %  übertraf  die  des  Deutschen  Reiches,  in
dem  sie  7,1  %  betrug,  ganz  bedeutend;  eine  gleich
hohe  Zunahme  wurde  nur  in  der  Provinz  Brandenburg ­
  festgestellt.  In  den  Hansestädten  Lübeck  und
Bremen  betrug  die  Zunahme  10,1  bzw.  13,7  %  ;  in
Berlin  vermehrte  sich  die  Bevölkerung  in  der  Berichtsperiode ­
  um  nur  1,5  %  .

2.  Die  Bevölkerungsverschiebungen  innerhalb
der  Stadt.
Eine  Betrachtung  der  Einwohnerzahlen
der  einzelnen  Stadtteile  und  Ortschaften ­
  (Tabelle  3)  ergibt,  daß  an  den  Grenzen
der  städtischen  Bezirke  und  der  Landgemeinden
nur  unwesentliche  Verschiebungen  stattgefunden
haben.
Ein  Teil  der  früheren  Gemeinde  Neuhof  (preußisches ­
  Gebiet,  Landkreis  Harburg)  ist  infolge  Gebietsaustausches ­
  auf  Grund  des  Staatsvertrages
zwischen  Hamburg  und  Preußen  vom  14.  November
1908  mit  143  männlichen  und  128  weiblichen  Personen ­
  nach  der  Volkszählung  vom  1.  Dezember  1905
an  Hamburg  übergegangen.  Außer  der  Stadt  Hamburg ­
  wurden  noch  12  Gemeinden  mit  mehr  als  2000
Einwohnern  festgestellt,  die  mit  Ausnahme  von
Billwärder  und  Finkenwärder  sämtlich  Bevölkerungszuwachs ­
  zu  verzeichnen  hatten.  Von  den
Landherrenschaften  zeigten  mir  die  Marschlande
eine  schwache  Abnahme.  Dem  stand  in  der  Stadt
Hamburg  eine  Vermehrung  um  mehr  als  128  000
gegenüber,  die  sich  ungleichmäßig  auf  die  einzelnen
Stadtteile  verteilt,  von  denen  die  alten  kaum  noch
freien  Baugrund  hatten,  während  in  den  äußeren
Bezirken  zum  Teil  noch  große  Flächen  der  Bebauung
harren.  Wie  im  Jahrfünft  1900/05  ist  die  größte
Zunahme  in  Eimsbüttel  festgestellt  worden  (32  943),
in  weiterem  Abstande  folgten  dann  Barmbeck
(26  093)  und  Eppendorf  mit  23  374.  Unter  die
Stadtteile  mit  starker  Zunahme  ist  auch  Hamm
(18082)  zu  rechnen,  ebenso  Billwärder  Ausschlag
mit  einer  Zunahme  von  6366  Personen.  Eine  entgegengesetzte ­
  Entwicklung  zeigten  die  Teile  der
inneren  Stadt  sowie  einige  der  ihnen  benachbarten
Stadtteile.  Diese  schon  seit  1895  und  früher  beobachtete ­
  Erscheinung  des  Rückgangs  der  Einwohnerzahl ­
  in  den  Bezirken  Altstadt,  Neustadt,  St.  Georg-Nord
  und  St.  Pauli  tritt  in  der  Berichtszeit  ganz
besonders  scharf  zutage.  Die  Altstadt  hat  in  dem
letzten  Jahrfünft  über  15  000,  die  Neustadt  mehr
als  10000  Personen  verloren.  Diese  Entwicklung
wurde  dadurch  bedingt,  daß  der  zur  Verbesserung
der  Wohnungsverhältnisse  in  großem  Maßstabe  zunächst ­
  geplante  und  in  dem  Zeitraum  1890/95  bereits
begonnene  Abbruch  verschiedener  Straßen  vornehmlich ­
  in  Neustadt-Süd  fortgesetzt  wurde.
Im  Jahre  1908  wurden  dann  in  Altstadt-Nord
426  Häuser  mit  1727  Wohnungen  abgebrochen,  wodurch ­
  ein  erheblicher  Rückgang  der  Einwohnerzahl
in  diesem  Stadtteil  hervorgerufen  wurde.  In  die  Berichtszeit ­
  fiel  auch  die  Durchlegung  der  Mönckebergstraße
  vom  Rathaus  zum  Hauptbahnhof,  welche  die
Niederlegung  einer  ganzen  Reihe  von  Wohnhäusern
notwendig  machte,  während  der  bereits  in  früheren
Volkszählungsabschnitten  beobachtete  Rückgang  der
Einwohnerzahl  dieses  Stadtteils  vorzugsweise  auf
die  Umwandlung  von  Wohnungen  in  Geschäftsräume ­
  zurückzuführen  war.  Die  Zahl  der  Bewohner
dieses  Stadtteils,  die  im  Jahre  1905  noch  33700  betragen ­
  hatte,  war  bereits  im  Jahre  1907  auf  rund
26100  und  1910  auf  rund  20  600  zurückgegangen.
            
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