32
IV. 2. Alter und Familienstand.
höchsten Stand erreicht. Erweitert man die Gruppe
der erwerbsfähigen Altersklassen bis zum 65. und
70. Lebensjahre, so ergaben sich im Jahre 1910 im
Vergleich mit 1905, 1900 und 1890 die folgenden
Anteile:
Von je 1000 der Gesamtbevölkerung standen im
Alter von
15—65 Jdhren
1910 1905 1900 1890
Männer . 341,51 331,79 3 19,89 3 27,33
Frauen . 339,87 333,u 333,27 326.67
Zus.
681,87 664,98 652,«6 654,00
Abgesehen von der selbstverständlichen Erhöhung
der Ziffern bei einer weniger engen Abgrenzung des
Begriffs der „produktiven Bevölkerung“ zeigte sich
als weitere Abweichung, wie zu erwarten war, bei
den 15- bis 70jährigen das weibliche Geschlecht in
allen Jahren in der Überzahl.
Die Altersangaben der Personen des
höchsten Alters müssen mit großer Vorsicht
aufgenommen werden. Die Begrenzung des Begriffs
ist ganz willkürlich; gewöhnlich geht man von der
runden Zahl des 90. Lebensjahres aus. Im ham-
burgischen Staate wurden 1910 im ganzen 201 Per
sonen höchsten Alters festgestellt, davon 149
weibliche und 52 männliche. Ein Alter von über
100 Jahren wurde bei einem verwitweten Manne und
einer ledigen Frau festgestellt; vor 1810 war keine
Person geboren. Rund 75 % dieser alten Leute
sind Frauen, mehr als 4 /s gehören den Verwitweten
an. Daß bei den Verheirateten die Frauen nur in
einem Fall gegen 9 Männer vertreten sind, beruht
hauptsächlich darauf, daß Männer nicht selten
noch im hohen Alter (wieder) heiraten, Frauen
dagegen nur ausnahmsweise. Geschiedene wurden
in diesen höchsten Altersjahren nicht vorgefunden;
ein Mann im 93. Lebensjahre lebte getrennt. Der
älteste als geschieden angegebene Mann wurde im
Jahre 1848, die älteste als geschieden angegebene
Frau im Jahre 1845 geboren. Von der Gesamtzahl
der im Jahre 1820 oder früher Geborenen wohnten
179 in der Stadt und 22 auf dem Landgebiet.
2. Alter und Familienstand.
Während von dem Altersaufbau der Bevölkerung
ein vollkommen klares Bild zu erhalten ist, ohne
daß die Familienstandsgliederung berücksichtigt
wird, gewährt die Berechnung des Anteils der Fa
milienstandsgruppen an der Gesamtbevölkerung ohne
Berücksichtigung des Alters nur einen ganz oberfläch
lichen und leicht irreführenden Einblick in die Art
der Schichtung der Gesamtbevölkerung. Trotzdem
wird zunächst zur allgemeinen Orientierung eine
Zusammenstellung nur der Verhältniszahlen über
den Familienstand für die Volkszählungsjahre bis
1875 mitgeteilt. Gewissermaßen zur Korrektur wird
die Familienstandsgliederung der über 15 Jahre alten
männlichen bzw. weiblichen Personen beigefügt.
(Besondere Familienstandszahlen der Erwachsenen.)
15—70 Jahren
1910 1905 1900 1890
349,.% 339,2» 326,28 333,95
350,56 343,50 343,02 336,85
699,90 6 82,75 6 69,30 670,80
Tab. 17.
Von 100 aller männlichen bzw.
weiblichen Personen waren
Von 100 der üboi
| männl. bzw. weibl
15 Jahre
Personen
alten
waren
1
Jahre
ledig
ver
heiratet
ver
witwet
ge
schieden
ledig
ver
heiratet
ver
witwet
ge
schieden
SS
CS3
i
2
3
4
5
6
7
8
9
IO
Männlich
e ortsan
wes
ende
Personen
1875 ...
62,12
34,76
2,73
0,39
100
46,34
49.23
3,87
0,56
100
1880 ...
61,04
35,87
2,60
0,49
100
42,70
52,76
3,82
0,72
100
1885 ...
61,68
35,34
2,67
0,31
100
43,os
52,49
3,96
0,47
100
1890 ...
62,13
35,12
2,43
0,32
100
45,14
50,87
3.52
0,47
100
1895 ...
60,72
36,37
2,55
0,36
10(1
42,50
53,24
3,74
0,52
100
1900 ...
60,21
37,08
2,37
0,84
10(1
41,76
54,26
3,47
0,51
100
1905 ...
59,58
37.71
2,32
0,39
100
12,80
53,83
3,31
*0,56
100
1910 ...
58,69
38,54
2,32
0,45
100
42,54
53,61
3,23
0,62
100
Weib
lieh
3 Personen
1875 ...
56,55
33,49
9,34
0,62
100
39,27
46,81
13,06
0,86
100
1880 ...
56,60
33,67
8,95
0,78
100
37,44
48,54
12,90
1,12
100
1885 ...
57,12
33,28
9,19
0,46
100
37,60
48,36
13,38
0,66
100
1890 ...
56,«o
33,94
8,94
0,52
100
37,55
48,83
12,87
0,75
100
1895 ...
56,30
34,28
8,85
0,57
100
37,42
49,09
12,67
0,82
100
1900 ...
55,76
35,02
8,60
0,62
100
36,59
50,20
12,32
0,89
100
1905 ...
54,45
36,44
8,42
0,69
100
35,63
51,49
11,90
0,98
100
1910 ..
52,74
38,12
8,41
0,73
100
34,87
52,54
11,59
1,00
100
1910
männl..
weibl. .
Wohnbevölkerung
I 58,42
38,82
2,32 0,44 ||100
41,99
54,16
3,23
0,62
100
| 52,70
38,18
8,38 | 0,74 || 100
34,71
52,69
11,5G
l,Ol|
100
Ein Blick auf die allgemeinen Familienstands
ziffern zeigt, daß die Ledigen wegen der nur für
diese Gruppe in Betracht kommenden hohen Kinder
zahl stets die größere Hälfte der Gesamtbevölkerung
bildeten (58,7 % der männlichen und 52,7 % der weib
lichen Bevölkerung). Die Anteilsziffern der Ver
heirateten standen bei den männlichen und weib
lichen Personen einander sehr nahe (38,54 % und
38,12 %); dagegen tritt der Stand der Ver
witweten beim weiblichen Geschlecht viel stärker
hervor (8,41 % ) als beim männlichen (2,32 % ). Auch
die Anteilsziffer der geschiedenen Personen war
beim weiblichen Geschlecht (0,73 %) etwas höher
als beim männlichen (0,45 %). Die zeitliche Ent
wicklung zeigte seit 1875 bei beiden Geschlechtern
eine Abnahme der Anteilsziffern der ledigen und
verwitweten Personen und eine Zunahme bei den
verheirateten und geschiedenen Personen. Diese
Entwicklung erleidet, beim männlichen Geschlecht
seit 1895 und beim weiblichen seit 1885 keine
Unterbrechung. Ein wesentlich anderes Bild bietet
die Betrachtung der besonderen Familienstands
zahlen der Erwachsenen. Hier waren die Ver
heirateten mit mehr als der Hälfte aller er
wachsenen Personen beider Geschlechter vertreten,
und zwar beobachten wir bei den weiblichen Per
sonen seit 1885 eine ständige Erhöhung der Anteils
ziffer dieser Gruppe, während die Zunahme bei den
männlichen Personen viel unregelmäßiger erfolgte
und seit 1900 sogar abzubröckeln beginnt. Auch die
Entwicklung der Anteils Ziffern bei den Gruppen der
verwitweten und geschiedenen Personen wies bei
dem weiblichen Geschlecht eine größere Regelmäßig
keit auf als beim männlichen. Die auf die Wohn
bevölkerung berechneten Zahlen weichen nur wenig
von den Anteilsziffern der ortsanwesenden Bevölke
rung ab.