406 Fünfter Teil. Verkehrswesen. I. Zur Geschichte des Verkehrswesens.
daß er die hohe Bedeutung guter Verbindungsmittel, wohlerhaltencr Leerstraßen sür
den Wohlstand der Provinzen ganz besonders zu würdigen wußte. And so nahm er
denn sogleich Veranlassung, den Griechen von Achaia, die wohl schon lange weder
Sinn noch Mittel für großartige interkantonale Anlagen dieser Art hatten, gerade auf
einem für den Binnenverkehr überaus wichtigen Punkte der Provinz eine Sttaße zu
schaffen, die den Griechen ein Musterbild römischer Energie in Überwältigung der
Naturhinderniffe bieten konnte. Die Wege aus dem Peloponnes nach den mittleren
Kantonen Griechenlands waren zu keiner Zeit in besonders gutem Zustande gewesen;
vor allem aber hatte der uralte politische Lader unter den Lellenen es nicinals dazu
kommen lassen, daß der kürzeste Weg über die isthmischen Landschaften, der Weg von
Korinth nach Megara, dieselbe Straße, die die lebhafteste Verkehrslinie zwischen dem
griechischen Norden und dem Peloponnes abgab, aus einem höchst beschwerlichen, ja
unter Amständen gefährlichen Bergpfade zu einer Straße umgestaltet wurde, wie sic
eines alten Kulturlandes würdig gewesen wäre. Vor allem gefährlich war (wie heute
wieder in erhöhtem Maße) namentlich eine Strecke, der verrufene Weg am Strande
des saronischen Meerbusens, die skironische Klippenstraße, die, — eine Stunde von
Megara anhebend — heutzutage mit dem bezeichnenden Namen Kaki-Skala belegt,
über die Klippen der schmalen Küstenterrassc hinführt.
An diesem Wege erprobte Ladrian seine Kraft, und dank den Mitteln, die er
in Bewegung setzen konnte, stellte er auf diesem Wege durch umfassende Felsarbeiten
und kolossale ünterbauten eine sichere, breite und bequeme Kunststraße her, auf welcher
auch Lastwagen bequem nebeneinander fahren und einander ausweichen konnten. Die
Länge dieses Küstenpasses wurde im Altertum beiläufig auf 6000 Schritte berechnet.
Überreste von den riesigen Substruktionen Ladrians hangen noch heute an den Felsen
wänden, sonst aber ist der Weg heutzutage durch Verwitterung und durch wiederholte
Zerstörung während der neueren Kriege in solchem Zustande, daß man die Möglichkeit
jenes Straßenbaues an dieser Stelle kaum mehr begreifen kann.
3. Deutsches Verkehrswesen im Mittelatter.
Von Wilhelm Götz.
Götz, Die Verkehrswege im Dienste des Welthandels. Stuttgart, Ferdinand Luke, (888.
5. 5^7—55^.
Die Zahl der Verbindungswege zwischen den einzelnen Landschaften und Laupt-
orten der deutschen Territorien und ihrer Nachbarländer war sehr groß. Wenn diese
Linien Straßen gewesen wären, d. h. baulich wohlgchaltenc Wegkörper, dann würde
namentlich Mittel- und Westdeutschland von einem Netz, wie es heute Württemberg
aufweist, übersponnen gewesen sein. Allein die damaligen Verkehrswege waren in
der Regel, d. h. fast ihrer gesamten Strecke nach nur festgefahrene und -getretene
Gleise mit den notwendigsten Brücken über furtlose Gewässer. Nur spärlich half Ein
wurf von Steinen über größere Vertiefungen oder die Querlagerung sogenannter
Klüpfelhölzer, d. h. dünnerer Stammabschnitte, über morastige Stellen hinweg. Man
zog also, soweit nicht etwa wohlbewachte Kornsaat seitlich hinderte, wie heute in den
Pußten oder in Bulgariens Grasflächen ein Gleis neben das andere, je nach dem
Einfluß der Witterung auf die Gleise, welche der betteffende Wagen vorfand.
Allerdings gab es in allen germanischen Ländern Gesetze über Breite, Benützungs
freiheit und Anterhaltungspflicht der Laupt- und Nebenfttaßcn. Allein dieselben sind