Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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ihr Angebot früher an einzelnen Tagen auf den Wochenmärkten kon- 
zentriert war, 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Grosshandels wird 
heutigen Tages bei dem fortdauernd wachsenden internationalen Ver- 
xehre entsprechend anerkannt, während sehr allgemein eine Unter- 
Bedeutung desschätzung wie eine einseitige Bekämpfung des Detailhandels zu be- 
Detailhandels, beobachten ist. Auf der andern Seite stehen dagegen auch hier die 
Vertreter der sogenannten Mittelstandspolitik, welche weniger den De- 
tailhandel als die Kleinhändler begünstigen, und sie möglichst zu er- 
aalten trachten. 
Der Detaillist hat die Aufgabe, alle Waren seiner Branche fort- 
dauernd in Vorrat zu halten und sie dem Publikum in jedem, auch 
dem kleinsten Quantum zu jeder Zeit zur Verfügung zu stellen, damit 
zugleich den Kunden die Quantitäten zuzumessen, die sie im Momente 
gebrauchen, und die Zuteilung des Bedarfs in kleinen Raten durchzu- 
führen, wie sie der Zahlungsfähigkeit derselben entsprechen. Hierbei 
die richtigen Quellen ausfindig zu machen, eine gute Qualität für 
einen angemessenen Preis zu liefern, erfordert Sachkenntnis und Um- 
sicht. Die Unkosten des Lagerns der Ware, Verluste durch Ver- 
derben, das Risiko bei dem Kreditieren der Waren, die Arbeit des 
Zerteilens und Abwägens, absorbieren erhebliche Summen, die bei vielen, 
aamentlich dem Verderben ausgesetzten und selten gebrauchten Gegen- 
ständen einen bedeutenden Prozentsatz ihres Wertes ausmachen , so 
dass ein entsprechend hoher Zuschlag zu dem Einkaufspreis erforderlich 
‚st, um die Kosten zu decken; während bei Gegenständen des täg- 
chen Bedarfs, wie Zucker, ordinärem Kaffee ete. in einfachen Läden 
mit starkem Umsatz 5%, Aufschlag hierzu genügen, sind bei feineren 
Kolonialwaren mit sehr schwankenden Preisen 10—15%, erforderlich, 
wo sie dem Verderben leicht ausgesetzt sind, aber sehr viel höher. 
Bei gewöhnlichen Artikeln der Textilwaren werden vielfach 15 9% 
Aufschlag genommen, bei feineren, der Mode sehr unterworfenen, 
genügen oft 33%, nicht einmal, bei Apothekerwaren finden sich ex- 
orbitante Beispiele, wo ein Aufschlag von mehreren hundert, selbst von 
tausend Prozent bei selten gebrauchten, in kleinen Quantitäten zerteilten 
Medikamenten von der den Preis feststellenden Kommission zugestanden 
wird, um dem Apotheker einen angemessenen Profit zu lassen. Dieser 
Aufschlag auf die Engrospreise wird von dem Publikum, das die Ver- 
hältnisse nicht zu übersehen vermag, oft fälschlich als wucherisch an- 
zesehen und der Profit des Kaufmanns überhaupt wesentlich überschätzt. 
[m Allgemeinen aber ist gerade hier die Konkurrenz so allgemein und 
ıntensiv, dass nur in besonderen Fällen nachhaltig Monopolpreise erzielt 
werden können; wie in einfachen Arbeitervierteln, sonst abgelegenen 
Gegenden, kleinen Städten und dergl. Ab und zu allerdings kann eine 
Ringbildung durch Verabredung der Interessenten eintreten, besonders 
wo das Publikum sich als wenig urteilsfähig erweist. Zu solcher Ring- 
»ildung führt mitunter gerade eine zu starke Konkurrenz infolge der 
Niederlassung einer zu grossen Zahl von Händlern, die ihre Existenz 
nur durch einen übermässigen Aufschlag auf den Preis der Ware zu 
fristen vermögen. Derartige Beispiele haben, wie an anderer Stelle 
ausgeführt, Gegenmassregeln veranlasst, wie namentlich die Gründung 
der Konsumvereine, deren Berechtigung wir unbedinot anerkannten
	        
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