Vorwort zur ersten Auflage.
„In Rußland ist eine revolutionäre Macht entstanden, deren Be-
deutung noch nicht einzuschäken ist. Es strahlt als politische Macht...
viel stärker aus als vor seinem Zusammenbruch.‘ Einer der schärfsten
Gegner der Revolution, General Ludendorff, schrieb diese Zeilen, die
bedeuten, daß er die schaffenden Kräfte, die im Umsturz der lebten
lahre liegen, anzuerkennen sich gezwungen sieht. Vom Bolschewismus,
von den Kommunisten Rußlands, sind sie erzeugt worden, in erster Linie
von Lenin, dem Schöpfer und fähigsten Kopf dieser Partei, ihrem Theo-
retiker und Taktiker. Damit ist er einem Zar Peter, einem Napoleon, ja
einem Mohammed an die Seite zu stellen. Sein Werk in Rußland hat trob
aller Schwierigkeiten schon ‘heute seine Lebensfähigkeit bewiesen,
und damit sind auch die Werke seiner Feder lebendig, ja unsterblich.
Sie zu sammeln, zu verzeichnen, gleich wie man die Schriften eines
Julius Caesar, Friedrich des Großen, den literarischen Nachlaß des
Confuzius oder Luther gesammelt und verzeichnet hat, ist wohl ein
Ichnendes Unternehmen. Man wird in ihnen die Entwicklung eines
Charakters finden, gebildet in jener eigenartig-unbekannten Welt, die
auf der Grenze zweier Kontinente liegt, Westliches und Oestliches
verschmilzt oder doch zu vereinigen trachtet, das Bild eines Menschen-
lebens, reich an Kraft und Streben, die Struktur einer Hand, die den
Menschen selbst und seine Mitwelt mit markigem Griff zu formen
vermochte — —. Ein eigenartiges Geschick machte Lenin zum Erben
des Kriegsnamens seines Bruders, der das Los vieler Gesinnungs-
genossen teilte und in früher Jugend, als revolutionärer Kämpfer,
endete. Erst kurze Zeit war Vladimir 1l’i& in der gleichen Richtung
latig, als ihm der gleiche Arm, der seinen Bruder fällte, den Weg nach
Sibirien wies. Von dort zurückgekehrt, ging der Stigmatisierte ins
europäische Ausland. Wohl erst hier wurde Lenin voll mit dem Geist
und der Sprache des marxistlischen Sozialismus bekannt, der modern-
revolutionären Wissenschaft des Westens. DaB er diese ihm neue
Offenbarung in Theorie und Taktik nicht schematisch übernahm, spricht
für seinen kritischen Geist, für die schon im Anfang dieses Jahrhunderts
bei ihm vorhandene Reife seines Denkens, für seine Kenntnis der psy-
chischen Eigenheiten des Volkes, dem er entstammt.
. Im Exil konnte er seine junge Kraft versuchen, ohne sie aufzu-
reiben. Von hier aus konnte er viel ungehinderter wirken. als dies