Schmidt: Ihr überlaßt es wohl dem Verbandsvorstand, aus dieser
Debatte die Nutzanwendung für die Einteilung in Pommern zu ziehen?
Wir müssen dabei ja auch die Wohnungsverhältnisse berücksichtigen. Wenn
wir den Bezirk Stettin nicht trennen, so liegt es doch anders bei dem Bezirk
Köslin, zu dem ja auch die westpreußischen Bezirke kommen.
Löhrke - Berlin: Die Tariffrage spielt für uns in den kommenden Mo
naten wohl die allergrößte Rolle. Die Regelung der Arbeits- und Lohnver
hältnisse der Landarbeiter muß ja tariflich geschehend Sie sind hier aus
einem Landesteil, in. dem man sich gegen den Abschluß der Tarifverträge
am meisten gewehrt hat. Die Hommerschen Arbeitgeber haben genau er
kannt, welche große Gefahr für sie der Tarifabschluß ist, weil er den ersten
Steinaus dem Gebäude ihrer Macht bricht. Wir haben aber bei Abschluß
von Tarifverträgen auch mit Widerständen zu rechnen aus den Reihen der
Arbeitnehmer, die Ansprüche stellen, die wir sehr oft nicht befriedigen kön
nen. Die Väter dieser Ansprüche sind in den meisten Fällen einzelne Per
sonen, die ihre Gedanken in die Landarbeiter hineintragen, um eine Zer
rissenheit der Organisation Herbeizuführen. Wir Funktionäre müssen also
auch draußen den Mut haben, in Versammlungen und Konferenzen den
Kollegen zu sagen, was ist. Es liegt die Stärke eines Gauleiters und Ver
trauensmannes nicht darin, daß er zu allen Ansprüchen der Mitglieder ja
sagt, sondern daß er überlegt und nach ganz bestimmten Grundsätzen han
delt und unter Umstünden auch den Kollegen entgegentritt. Was wir bisher
an Tarifen haben, ist Stückwerk, geboren aus dem Uebergang. Wir hatten
nicht die nötigen Unterlagen für unsere Aufgabe, hatten aber einen
Gegner, der in der ersten Zeit nach der Revolution von vornherein zu
Unterhandlungen bereit war. Nur in Pommern hat man sich von vorn
herein gegen die Tarife gewehrt. In Zukunft werden wir mit einer noch
viel größeren Gegnerschaft bei den Unternehmern zu rechnen haben. Wir
dürfen nicht vergessen, daß bei den Arbeitgebern die Organisation schneller
und durchgreifender von statten geht wie bei uns. Sie kämpfen mit allen
Mitteln um ihre Macht. Es kommt nun darauf an, was wir bei den neuen
Tarifverhandlungen zu beachten haben. Bei der Arbeitszeit dürfen wir
uns nicht von Phrasen leiten lassen, sondern müssen auf die wirtschaftlichen
Notwendigkeiten der Landwirtschaft Rücksicht nehmen. Es ist nicht nichtig,
daß man bei der Arbeitszeit absolut den achtstündigen Durchschnitt nehmen
muß. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß die zehnstündige Arbeitszeit als
Höchstarbeit genügt. Die Abstufung auf niedrigere Arbeitszeiten muß dein
Tarifvertrag überlassen bleiben, und die Arbeitszeit für die einzelnen Mo
nate muß im Tarifvertrag festgelegt werden. Das Wort „nach freier Ver
einbarung" muß heraus. Die Arbeitszeit muß im_ Tarif zuerst geregelt
werden. Die letzten Tarife waren zum großen Teil aufgebaut auf dem
Satz: Das Mindestjahreseinkommen des Landarbeiters beträgt so und fo
viel. Ich stehe heute auf einem anderen Standpunkt. Erst müssen. wir
untersuchen: was muß der Landarbeiter als Deputat haben und was an
Barlohn? Dann ergibt sich das Jahreseinkommen von selbst. Beim De
putat müssen wir versuchen, die Mengen im Tarif festzulegen. Dann hat
der Landarbeiter etwas Greifbares, und man kann dann auch den Barlohn
festlegen. Wo man nur Preise festlegt für das Deputat statt die Mengen,
wird der Vertrag außerordentlich dehnbar. Bei den Deputaten muß man
ferner die wirklichen Preise einsetzen. Es ist eine Vorspiegelung falscher
Tatsachen, wenn wir in den Tarif das Brotgetreide mit l5 Mk. einsetzen,
wie heute in Ostpreußen. In Ostpreußen gibt es bei der Nichtlieferung
den Höchstpreis. In Wirklichkeit ist aber der geschriebene Sah viel nie-