Full text : Tote und lebendige Wissenschaft

—  155  —
auch  für  mich  persönlich  nicht  einladend,  auf  eine  Verteidigung
gegen  seine  Angriffe  auf  mich  einzugehen.  Auch  habe  ich  das
Gefühl,  ihm  vielleicht  nicht  ganz  gerecht  zu  werden,  wenn  ich
ihn  auf  Grund  einer  hingeworfenen  Notiz  bekämpfe,  von  der
kaum  feststeht,  wieweit  er  sie  selbst  ernst  nahm.  Da  dies  aber
von  anderer  Seite  geschah,  ist  es  geboten,  in  aller  Kürze  meinen
Standpunkt  festzustellen.  Mar  Weber  sagt  in  Bezug  auf  meine
Unterscheidung  von  Individualismus  und  Universalismus  in
methodologischer  Hinsicht:
„Das  ungeheure  Mißverständnis  jedenfalls,  als  ob  eine
„individualistische"  Methode  eine  (in  irgendeinem
möglichen  Sinn)  individualistische  Wertung  bedeute,  ist
ebenso  auszuschalten,  wie  die  Meinung:  der  unvermeidlich
(relativ)  rationalistische  Charakter  der  Begriffs  bildung  bedeute ­
  den  Glauben  an  das  V  o  r  w  a  l  t  e  n  rationaler  M  o  -
tive  oder  gar:  eine  positive  W  e  r  t  u  n  g  des  „Rationalismus". ­
  Auch  eine  sozialistische  Wirtschaft  müßte  soziologisch
genau  so  „individualistisch",  das  heißt:  aus  dem  Handeln
der  einzelnen  —  der  Typen  von  „Funktionären",  die
in  ihr  auftreten  —  heraus  deutend  verstanden  werden,
wie  etwa  die  Tauschvorgänge  durch  die  Grenznutzlehre  .  .  .
Denn  stets  beginnt  auch  dort  die  entscheidende  empirischsoziologische
  Arbeit  erst  mit  der  Frage:  welche  Motive  bestimmten ­
  und  bestimmen  die  einzelnen  Funktionäre
und  Glieder  dieser  „Gemeinschaft",  sich  so  zu  verhalten,  daß
sie  entstand  und  fortbesteht?  Alle  funktionale
(vom  „Ganzen"  ausgehende)  Begriffsbildung  leistet  nur  „V  o  r  -
arbeit"  dafür.  .  .*)".
Diese  Äußerungen  zeigen  einerseits,  daß  mich  Mar  Weber
nicht  richtig  verstanden  hat,  anderseits,  daß  er  durchaus,  mit
voller  Selbstverständlichkeit  und  Naivität  —  Individualist  ist!
Mein  Gedankengang,  auf  den  sich  Mar  Weber  hier  bezieht,
»)  S.  9.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.