46 Drittes Kapitel. Das Zeitalter der griechischen Kolonisation.
neuerschlossenen Gebiete die Auswanderer auf, von da ab ging
ein immer größerer Teil der Griechen als Söldner in die Fremde
(S. 61). Seine volle Entwicklung fand dies Söldnerwesen aber
erst in den folgenden Epochen.
Die neue Wirtschaftsordnung änderte die An schau ungderver-
schiedenen Bevölkerungsklassen über die einzelnen Be
rufsarten. Während zu Beginn der Schiffahrtsentwicklung die
Adligen sich gern dem Seeraub ergaben, kam dies allmählich ab, nur
Tyrannen (S. 40) und ganze Staatswesen betrieben noch die Pira
terie unter verschiedenem Namen; wer als einzelner sich diesem Ge
schäft ergab, wurde als gemeiner Verbrecher behandelt (S. 92). Zu
den ehrenvollsten Berufen gehörte noch immer der des Kriegers
und Großgrundbesitzers. Daher sehen wir denn auch den begüterten
Mittelstand, der sich eine Rüstung anschaffen kann, bald im Heere
kämpfen, womit wieder ein Vorrecht des Adels gefallen war. Aber
wie der Adel sich bemühte, Geld durch iildustrielle und kommerzielle
Betätigung zu erwerben — er hat ja auch in der modernen Ent
wicklung Schritt für Schritt Vorurteile abgelegt und kann'jetzt z. B.
das Bierbrauen betreiben, ohne sich etwas zu vergeben —, so mühten
sich andererseits die Geldleute, durch Ankauf von Gütern jenen Nim
bus zu erlangen, der mit dem Grundbesitz verknüpft war, abgesehen
davon, daß der Besitz von Grund und Boden das Bewußtsein des
Herrentums weit mehr zur Entfaltung bringt, da die Möglichkeit,
selbständig eingreifen zu können, hier weit mehr als in der Stadt
bestand. Wir können die gleiche Erscheinung auch heute beobachten,
wenn die Börsenbarone sich möglichst rasch Grundbesitz zu ver
schaffen suchen. Die politischen Vorrechte, die der Grundbesitz noch
lange genoß, sind etwa den modernen vergleichbar, die u. a. darin
bestehen, daß der Sitz in der ersten Kammer vielfach mit ihm in
Beziehung steht. Alles strebte danach, Einkommen und Ehre zu
verbinden, nachdem nicht mehr wie ehedem großer Konsum, Herr
schaftsbesitz und Ehre von vornherein zusammenfielen. Von den
Erwerbszweigen waren so wie heute diejenigen bevorzugt, die
nicht persönliche Handarbeit verlangten. Jeder suchte, wenn irgend
möglich, sich und seine Kinder davor zu bewahren, ein kleiner Bauer
oder gar ein Handwerker oder Tagelöhner zu werden. Die Bauern
und Handwerker ihrerseits hatten gleichfalls ihre Standesehre und
sahen wohl einander nicht als vollwertig an; nur die Tagelöhner
haben sicher ihren eigenen Stand jedem anderen nachgesetzt, ein
Proletarierstolz bestand damals nicht. Im großen und ganzen