Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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Nun behaupte ich: V^?, 
Sowohl jener „individuelle Ursprung" der Wirtschäft,'^je 
dieses „Zusammentreffen der Handlungen", dieser „Verkehr" 
(ein Verkehr also, der durch Z u s a m m e n-setzung aus wirt 
schaftlichen Einzelhandlungen entstände) ist eine Täuschung; 
beide Begriffsmerkmale sind falsch. Der Begriff einer reinen 
oder „freien" „Verkehrswirtschaft", den sie begründen ist ein 
Unbegriff. 
Wenn diese unsere Behauptung richtig ist, so folgt daraus, 
daß es reine Verkehrswirtschaft auch nirgends in der Welt 
gegeben hat, noch geben kann, daß sie daher eine vollkommen 
utopische Daseinsweise oder „Grundgestalt" der Wirtschaft ist. 
Ich bemerke dazu, daß es, soziologisch gesehen, den 
Einzelnen als solchen (d. h. als seinem Begriffe nach absoluten 
Einzelnen) überhaupt nicht gibt, daß sein Begriff nur eine Ab 
straktion ist. Die Verkehrstheorie macht daber mit einem Be 
griffe Ernst, der schon auf dem weiteren Gebiete der Gesell 
schaft ungültig ist, für den daher auf dem engeren der Wirt 
schaft die Voraussetzung gänzlich fehlt*). 
Wird der Einzelne, von dem die wirtschaftlichen Hand 
lungen ausgehen, folgerichtig als etwas ganz für sich Seiendes, 
Selbsthaftes, Eigenes (Autarkes, Autonomes) gedacht, so steht 
jeder für sich als ein Robinson da, der mit den anderen wirt 
schaftlich nichts zu tun hat; in diesem Falle (in welchem eigent 
lich ganz allein der Begriff des Einzelnen folgerichtig festge- 
balten wird) entsteht überhaupt keinerlei Volkswirtschaft, keine 
Arbeitsteilung, kein Verkehr. Jede Art von Gesamtwirtschaft 
ist in diesem Falle unmöglich — es bleibt nur eine Welt von 
Einsiedlern. 
Wird aber der Begriff des Einzelnen wirtschaftlich nicht so 
streng festgehalten, sondern der Einzelne auf solche Weise gedacht, 
*) Dgl. dazu meine „Gesellschaftslehre", 2. Ausl., S. 175 ff., 113 ff., 
und „Der wahre Staat", 2. Ausl., 1923, § 14 u. 13.
	        
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