Full text : Tote und lebendige Wissenschaft

24

schüft  dort  möglich,  wo  im  engen  Kreise
innigste  geistige  Geineinschaft  und  Zielgleichheit
  herrscht;  sie  ist  für  w  eitere
Kreise,  wo  diese  Voraussetzungen  nicht
vorhanden  sind,  eine  Utopie.  Dies  scheint  schon
Pythagoras  gewußt  zu  haben,  indem  er  den  Satz  aufstellte:
xoivä  rd  tcöv  (pilcov,  „Unter  Freunden  ist  alles  gemein"  —
nur  unter  Freunden,  unter  wahren,  vollkommenen  Freunden')!
An  dieser  Tatsache,  daß  die  kommunistische  Wirtschaft  als
„Grenzfall"  noch  möglich  ist,  zeigt  sich  auf  das  deutlichste  Wahrheit ­
  und  Irrtum  ihres  Begriffes.  Es  zeigt  sich:
1.  daß  sie  mehr  Wahrheitsgehalt  in  sich  schließt  als  der
individualistische  Begriff  der  reinen  Verkehrswirtschaft;  denn
diese  ist  nicht  einmal  als  Grenzfall  möglich,  sondern  so  wenig
zu  Ende  zu  denken,  wie  auszuführen.
2.  daß  sie  aber  der  geschichtlichen  Wirklichkeit  nach  dennoch
eine  Utopie  ist.  Sie  will  eine  Ganzheit  sein;  aber  Ganzheit
muß  organische  Verschiedenheit  haben,  kann  daher  nicht  jene
Gleichheit  und  Atomisierung  in  sich  schließen,  'welche  ihre  kommunistische ­
  Konstruktion  voraussetzen  muß  (denn  man  kann
solche  Ganzheit  nur  konstruieren,  die  nötige  planmäßige
Übersicht  im  voraus  daher  nur  dann  gewinnen,  wenn  man
die  Atomisierung  vornimmt).  Macht  aber  die  kommunistische
Wirtschaft  mit  der  Verschiedenheit  der  Teile  ernst,  so  ist  ihr  die
Ganzheit  unerreichbar.  Nur  in  dem  Grenzfalle  der  zielgleichen,
asketischen  Wirtschaft,  im  engsten  Kreise  der  „Freunde",  ergibt
jene  annähernde  Atomisierung  wie  diese  minimale  Differenzierung ­
  eine  lebensfähige,  annähernd  kommunistische  Wirtschaft; ­
  selbst  diese  besteht  trotz  unerhörter  Gesinnungsgleichheit
nur  durch  einförmigsten  Zwang,  durch  lebenslange  Selbstbeherrschung ­
  (Gelübde,  Ordensregel!).
*)  Näheres  darüber  in  meinem  „Wahren  Staat",  2.  Aufl.,  Leipzig
1923,  S.  58  ff.,  201  ff.,  insbesondere  238  ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.