Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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schüft dort möglich, wo im engen Kreise 
innigste geistige Geineinschaft und Ziel- 
gleichheit herrscht; sie ist für w eitere 
Kreise, wo diese Voraussetzungen nicht 
vorhanden sind, eine Utopie. Dies scheint schon 
Pythagoras gewußt zu haben, indem er den Satz aufstellte: 
xoivä rd tcöv (pilcov, „Unter Freunden ist alles gemein" — 
nur unter Freunden, unter wahren, vollkommenen Freunden')! 
An dieser Tatsache, daß die kommunistische Wirtschaft als 
„Grenzfall" noch möglich ist, zeigt sich auf das deutlichste Wahr 
heit und Irrtum ihres Begriffes. Es zeigt sich: 
1. daß sie mehr Wahrheitsgehalt in sich schließt als der 
individualistische Begriff der reinen Verkehrswirtschaft; denn 
diese ist nicht einmal als Grenzfall möglich, sondern so wenig 
zu Ende zu denken, wie auszuführen. 
2. daß sie aber der geschichtlichen Wirklichkeit nach dennoch 
eine Utopie ist. Sie will eine Ganzheit sein; aber Ganzheit 
muß organische Verschiedenheit haben, kann daher nicht jene 
Gleichheit und Atomisierung in sich schließen, 'welche ihre kom 
munistische Konstruktion voraussetzen muß (denn man kann 
solche Ganzheit nur konstruieren, die nötige planmäßige 
Übersicht im voraus daher nur dann gewinnen, wenn man 
die Atomisierung vornimmt). Macht aber die kommunistische 
Wirtschaft mit der Verschiedenheit der Teile ernst, so ist ihr die 
Ganzheit unerreichbar. Nur in dem Grenzfalle der zielgleichen, 
asketischen Wirtschaft, im engsten Kreise der „Freunde", ergibt 
jene annähernde Atomisierung wie diese minimale Differen 
zierung eine lebensfähige, annähernd kommunistische Wirt 
schaft; selbst diese besteht trotz unerhörter Gesinnungsgleichheit 
nur durch einförmigsten Zwang, durch lebenslange Selbst 
beherrschung (Gelübde, Ordensregel!). 
*) Näheres darüber in meinem „Wahren Staat", 2. Aufl., Leipzig 
1923, S. 58 ff., 201 ff., insbesondere 238 ff.
	        
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