Full text: Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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fortgefahren. Der Kurfürst fand Geschmack an der Sache, und 
noch lange, bevor überhaupt das erste Kapital abgetragen war, 
bewilligte er auf Rothschilds Antrag und unter im übrigen gleichen 
Bedingungen am 18. Dezember 1809 ein zweites 3 0 /oiges Kapital 
im Betrage von ebenfalls 150 000 £, am 13. September 1810 ein 
drittes in derselben Höhe zum Preise von 73 3 /4°/o. Unterm 
6. Dezember 1810 192 verfügte er, wiederum auf Rothschilds Antrag, 
daß das dritte Kapital auf 250 000 £ erhöht werde, so daß bis 
dahin also bereits drei Kapitalien im Gesamtbeträge von 550 000 £ 
verfügt waren, obgleich das zuerst bewilligte noch gar nicht auf 
gefüllt war. Dieses Vorgehen erklärt sich folgendermaßen. Sobald 
die Anschaffung eines bestimmten Stockskapitals kontraktlich ab 
geschlossen war, bewirkten die Rothschild alsbald den Ankauf 
desselben in der ganzen Summe. Da sie zu dem übereingekommenen 
Preis liefern mußten, so hätte bei sukzessiver Anschaffung ein 
Fallen oder Steigen der Stocks ihnen je nach dem großen Gewinn, 
aber auch großen Schaden bringen können. Ihr Grundsatz aber 
war, dem sicheren Geschäft den Vorzug zu geben und nicht nach 
übermäßigem Gewinn zu streben. Um nun in der angegebenen 
Weise verfahren zu können, hatten sie bedeutende Vorschüsse von 
ihren Handelsfreunden in Frankfurt, Hamburg, Amsterdam und 
London zu nehmen. Die von der kurfürstlichen Kasse noch nicht 
bezahlten Teile der Stocks wurden zur einstweiligen Deckung der 
Handelsfreunde bei diesen hinterlegt, wodurch wiederum viele 
Nebenspesen entstanden. Über das ganze Geschäft wurde natür 
lich ein Geheimbuch geführt. Auf dieses berufen sich die Rothschild 
in einem Schreiben an Buderus. Sie hatten danach für das erste 
Stockskapital im Durchschnitt 71‘/a, für das zweite 71 5 / 8 , für das 
dritte 72 1 /2°/o bezahlt. Demnach mußten sie innerhalb eines Zeit 
raums von weniger als zwei Jahren ein Kapital im Nominalwert 
von 550 000 £ realisieren und dafür rund 4 353 000 fl 24 ff zahlen. 
Die Abzahlungen des Kurfürsten aber betrugen innerhalb jenes 
Zeitraums nur 1 791 950 fl. Da das Frankfurter Geschäftsvermögen 
damals mit Einschluß aller Waren etwa 800 000 fl betrug, so ersieht 
man hieraus, welchen Kredit die Rothschild genossen. Vermöge 
ihres Kredits waren sie damals schon eine Macht. 
Als sie jenen Brief an Buderus schrieben 193 , waren die Stocks 
unerwartet auf 62 1 /g gesunken, und der Kurfürst hatte unterm 
28. August 1811 befohlen, daß die Kassenvorräte vorerst nicht zu
	        
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