Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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meinem  Vater  sein  Geld;  es  war  keine  Zeit  zu  verlieren;  er  sandte
es  an  mich.  Ich  erhielt  unerwartet  600  000  £  mit  der  Post,  und
legte  es  so  gut  an,  daß  der  Fürst  mir  all  seinen  Wein  und  all  sein
Leinen  zum  Geschenk  machte.“  Diese  Notiz  hat  zwar  die  deutschen
Rothschild-Skribenten  nicht  weiter  berührt,  dagegen  hat  sie  ebenso
wie  die  Brockhaussche  Erzählung  bei  den  Gelehrten  Beachtung
und  Glauben  gefunden.
Die  zitierten  Sätze  Nathan  Mayers  können  aber  nicht  ernst
gemeint  sein.  Betrachten  wir  zunächst  den  Schlußsatz.  Daß  der
Kurfürst  ihm  seine  sämtlichen  Vorräte  an  Wein  und  Leinen  schenkt,
entbehrt  schon  der  inneren  Wahrscheinlichkeit.  Auch  würden  die
Tatsachen  dagegen  sprechen.  Glücklicherweise  sind  wir  nämlich
über  die  Weinverhältnisse  des  Kurfürsten  zum  fraglichen  Zeitpunkt
genügend  unterrichtet.  Als  der  Marschall  Kellermann,  der  Befehlshaber ­
  der  Elbearmee,  sich  1809  im  Hauptquartier  bei  Hanau  aufhielt, ­
  ließ  er  die  Weine  des  Hanauer  Schloßkellers  wegführen.
Ein  Handelsmann  namens  Hildebrand  aus  Frankfurt  bot  die  Weine
später  dem  Kurfürsten  zum  Kauf  an,  und  das  Haus  Rothschild,
das  die  Proben  davon  nach  Prag  gesandt  hatte,  erhielt  den  Auftrag,
die  Weine  anzukaufen  und  aufzubewahren,  bis  darüber  disponiert
werde  225 .  Als  der  Kurfürst  in  sein  Land  zurückgekehrt  war,  wurde
angeordnet,  daß  sowohl  die  in  Frankfurt  befindlichen  wie  die  in
Prag  aufbewahrten  Weine  als  Grundlage  eines  neuen  Hofkellers
dienen  sollten,  und  das  Rothschildsche  Bankhaus  sandte  im
Jahre  1814  sein  Depot  nach  Kassel.  Da  aber  der  Rothschildsche
Kellermeister  damals  schwer  erkrankt  und  der  Chef  des  Hauses,
wie  es  den  Anschein  hat,  abwesend  war,  so  geschah  es,  daß  statt
14  Stück  19  Stück  gesandt  wurden,  darunter  9  unzutreffende
Nummern  226 .  Hierüber  und  weil  die  Qualität  der  Weine  zum  Teil
dem  Kaufpreis  nicht  entsprechen  sollte  —  die  14  Stück  hatten
zusammen  18  640  rf  gekostet  —,  führte  das  Oberhofmarschallamt
einen  Briefwechsel  mit  der  Kabinettskassendirektion  und  verlangte
trotz  dortseitiger  Aufklärung,  daß  ein  Mitglied  des  Hauses  Rothschild ­
  nach  Kassel  komme,  um  die  „Differenzen  auszugleichen“.
Diesem  Ansinnen  wurde  von  seiten  des  Rothschildschen  Bankhauses
nicht  entsprochen,  und  die  Briefe  des  Oberhofmarschallamtes  blieben
zuletzt  unbeantwortet.  Da  sandte  letzteres  auf  Grund  einer  allerhöchsten ­
  Resolution  ein  Ultimatum  an  das  Bankhaus,  und  nun
reichte  dieses  unterm  17.  Juli  1815  eine  Immediateingabe  an  den
            
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