Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

149

Kurfürsten  ein.  Wir  zitieren  daraus  folgenden  Passus:  „Schon
früher  haben  wir  allerunterthänigst  angezeigt,  daß  wir  bei  diesem
Geschäft  bloß  die  allerhöchste  Zufriedenheit  von  Euer  Königlichen ­
  Hoheit  erlangen  wollten  und  uns  gar  keine  andere  Absicht
leitete:  Die  Weine  wurden  uns  so  übergeben,  wie  sie  der
verstorbene  Herr  Kammer-Rath  von  Winzingerode  ausgesucht
hatte;  Wir  haben  sie  getreulich  aufbewahrt  und  gehörig  auffüllen ­
  lassen;  von  uns  hatte  die  Abwendung  höherer  Gewalt
durch  Einbruch  fremder  Truppen  in  unseren  Keller,  entstandene
Feuersbrunst  und  dadurch  erfolgtes  Eindringen  vielerley  Leute  in
den  nemlichen  Keller  nicht  abgehangen  .  .  .  Wir  können  ganz
unmöglich  wissen,  was  in  dem  Zeitraum  der  angeführten  Unglücksfälle ­
  mit  den  Weinen  vorgegangen  ist;  wir  wollen  dennoch,  ob  wir
gleich  rechtlich  nicht  dazu  genöthigt  werden  können,  den  Schaden
in  dem  Maaße  übernehmen,  daß  wir  unsererseits  auf  die  Vergütung
aller  bezahlten  Auffüllkosten  und  der  noch  guthabenden  sehr  beträchtlichen ­
  Reisekosten  nach  Prag,  auch  unsere  gleichfalls  bedeutende ­
  Auslagen  für  Staffetten-Gebühren  und  Briefporti  Verzicht
leisten,  wenn  dagegen  Allerhöchstdieselben  die  Wein-Angelegenheit
als  beendigt  zu  resolviren  und  uns  die  zu  viel  abgelieferten  Stücke
zurückgeben  zu  lassen  allergnädigst  geruhen  wollen.“  Hierauf
wurde  das  Oberhofmarschallamt  beauftragt,  die  Angelegenheit  einstweilen ­
  in  statu  quo  zu  lassen,  und  gleichzeitig  dem  Kriegsrat  Knatz
aufgetragen,  aus  den  Akten  und  Rechnungen  zu  ermitteln,  bis  zu
welchem  Zeitpunkt  dem  Hause  Rothschild  die  Reisekosten,  Staffettenund
  Briefportoauslagen  vergütet  seien  227 .  Damit  brechen  diese  Akten
ab,  und  wir  wissen  nicht,  welchen  Ausgang  die  Affäre  nahm.
Immerhin  geht  aus  den  mitgeteilten  Tatsachen  das  eine  hervor,  daß
der  Kurfürst  weit  entfernt  war,  Nathan  Mayer  seine  Weinvorräte  zum
Geschenk  zu  machen.  Auch  wäre  es  mit  seinem  übermäßig  sparsamen
Sinn  schwer  zu  vereinbaren,  wenn  er  den  Rothschild  überhaupt  eine
Belohnung  in  irgendeiner  Form  hätte  zuteil  werden  lassen.  Daß  dies
nicht  geschehen,  geht  schon  aus  dem  ganzen  Ton  der  oben  geschilderten ­
  Verhandlungen  hervor.  Nicht  der  Kurfürst  war  generös
aufgetreten,  sondern  die  Rothschild.  Statt  eine  Belohnung  für  ihre
treuen  Dienste  zu  erhalten,  hatten  diese  noch  ein  und  ein  halbes
Jahr  nach  Ablauf  der  Exilzeit  den  Ersatz  barer  Auslagen  zu  fordern.
Damit  glauben  wir  die  Angabe  Nathan  Mayers  von  der
Schenkung  des  Kurfürsten  als  unhaltbar  erwiesen  zu  haben.  Und
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.