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Kurfürsten ein. Wir zitieren daraus folgenden Passus: „Schon
früher haben wir allerunterthänigst angezeigt, daß wir bei diesem
Geschäft bloß die allerhöchste Zufriedenheit von Euer König
lichen Hoheit erlangen wollten und uns gar keine andere Absicht
leitete: Die Weine wurden uns so übergeben, wie sie der
verstorbene Herr Kammer-Rath von Winzingerode ausgesucht
hatte; Wir haben sie getreulich aufbewahrt und gehörig auf
füllen lassen; von uns hatte die Abwendung höherer Gewalt
durch Einbruch fremder Truppen in unseren Keller, entstandene
Feuersbrunst und dadurch erfolgtes Eindringen vielerley Leute in
den nemlichen Keller nicht abgehangen . . . Wir können ganz
unmöglich wissen, was in dem Zeitraum der angeführten Unglücks
fälle mit den Weinen vorgegangen ist; wir wollen dennoch, ob wir
gleich rechtlich nicht dazu genöthigt werden können, den Schaden
in dem Maaße übernehmen, daß wir unsererseits auf die Vergütung
aller bezahlten Auffüllkosten und der noch guthabenden sehr be
trächtlichen Reisekosten nach Prag, auch unsere gleichfalls bedeu
tende Auslagen für Staffetten-Gebühren und Briefporti Verzicht
leisten, wenn dagegen Allerhöchstdieselben die Wein-Angelegenheit
als beendigt zu resolviren und uns die zu viel abgelieferten Stücke
zurückgeben zu lassen allergnädigst geruhen wollen.“ Hierauf
wurde das Oberhofmarschallamt beauftragt, die Angelegenheit einst
weilen in statu quo zu lassen, und gleichzeitig dem Kriegsrat Knatz
aufgetragen, aus den Akten und Rechnungen zu ermitteln, bis zu
welchem Zeitpunkt dem Hause Rothschild die Reisekosten, Staffetten-
und Briefportoauslagen vergütet seien 227 . Damit brechen diese Akten
ab, und wir wissen nicht, welchen Ausgang die Affäre nahm.
Immerhin geht aus den mitgeteilten Tatsachen das eine hervor, daß
der Kurfürst weit entfernt war, Nathan Mayer seine Weinvorräte zum
Geschenk zu machen. Auch wäre es mit seinem übermäßig sparsamen
Sinn schwer zu vereinbaren, wenn er den Rothschild überhaupt eine
Belohnung in irgendeiner Form hätte zuteil werden lassen. Daß dies
nicht geschehen, geht schon aus dem ganzen Ton der oben ge
schilderten Verhandlungen hervor. Nicht der Kurfürst war generös
aufgetreten, sondern die Rothschild. Statt eine Belohnung für ihre
treuen Dienste zu erhalten, hatten diese noch ein und ein halbes
Jahr nach Ablauf der Exilzeit den Ersatz barer Auslagen zu fordern.
Damit glauben wir die Angabe Nathan Mayers von der
Schenkung des Kurfürsten als unhaltbar erwiesen zu haben. Und