und entstellt worden sein, nämlich die Tatsache, daß Rothschild
vor und während der französischen Okkupation die meisten Über
schüsse des Kurfürsten anzulegen hatte, sei es durch selbständige
Anleihen, sei es durch Ankauf von Obligationen. Soweit kann
man also die einzelnen Züge der Legende durch Entstellung tat
sächlicher Grundlagen erklären. Die Großmut des Kurfürsten aber,
die so sehr seinem Charakter und den Tatsachen widerspricht,
gehört durchaus der freien Erfindung an und war gefordert durch
das natürliche Bedürfnis, daß die Treue belohnt werden muß.
Rothschilds Beziehungen zu anderen Fürsten.
Die Anleihen der Jahre 1801 bis 1806 betrafen verschiedene
deutsche und außerdeutsche Staaten und Fürsten. Im Mittelpunkt
aber stand der Landgraf und spätere Kurfürst von Hessen-Kassel,
mit dessen Gelde die Anleihen jener Jahre fast ausschließlich be
stritten wurden. Auch während der Exilzeit kamen noch einige
Anleihen derselben Art vor. Sie wurden aber nicht mehr vom
Kurfürsten übernommen, sondern der Geschäftsfreund Buderus und
sein Schwiegersohn, der Kriegsrat von Zipf, übernahmen die Be
schaffung der Gelder. Beide beteiligten sich mit ihrem eigenen
Vermögen und warben außerdem bei ihren Freunden. Auf diese
Weise kam eine Anleihe des Fürsten Karl zu Leiningen vom 15. April
1810 zustande im Betrage von 250 000 fl 24 ff zu 5 °/o und eine
des Fürsten von Löwenstein-Wertheim vom 1. Dezember 1812 im
Betrage von 50 000 fl 24 ff zu 6 °/o 23S .
Damit dürften sämtliche Anleihen dieser Art erschöpft sein.
Was aber die sonstigen größeren Geldgeschäfte M. A. Rothschilds
betrifft, so wäre sicher noch dies oder jenes nachzutragen, wenn
die bezüglichen Archive ergiebiger oder besser benutzbar wären.
Jedenfalls hatte Rothschild und auch sein ältester Sohn noch mit
anderen Fürsten Beziehungen angeknüpft und sich Verdienste bei
ihnen erworben. Besonders war Rothschild darauf bedacht, daß
seinem Sohn Amschel Mayer ehrenvolle Titel zuteil wurden, denn
das war damals überall die allerbeste Empfehlung. Außerdem
sollte der älteste Sohn nach dem Tode des Vaters der bevorzugte
Repräsentant sein, so wollte es die patriarchalische Gepflogenheit.
Schon lange vor dem Jahre 1800 muß Rothschild mit dem
kaiserlichen Hof in Wien in Beziehung getreten sein. Auch führte