Full text: Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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gesetzten Fürbitte verdankten es die Frankfurter Juden, daß sie 
am 28. Dezember 1811 nach Erstattung des zwanzigfachen Betrags 
des Schutzgeldes (440 000 fl) nicht zwar Staatsbürger, denn solche 
gab es nicht im Großherzogtum Frankfurt, aber Bürger der Stadt 
Frankfurt wurden. Auch schoß Rothschild bei dieser Gelegenheit 
seinen Glaubensgenossen die Summe von 100 200 fl vor. Mit jenem 
Akt aber gelangten die Juden zugleich in den Besitz derselben 
politischen Rechte wie die Christen, und Rothschild selbst wurde mit 
dem Freiherrn von Wiesenhütten, Moritz von Bethmann, Friedrich 
Metzler und Ludwig Jassoy zusammen zum Mitglied des Wahlkollegs 
des Departements Frankfurt ernannt. Im Dezember 1812 wurde den 
Mayer Amschel Rothschild und Söhnen auch der Titel Großherzoglich 
Frankfurtischer Hofbankiers beigelegt. 
Als der Großherzog im Jahre 1811 zur Taufe des Königs 
von Rom nach Paris reisen wollte, und ihm die Frankfurter Kauf 
leute eine Anleihe von 80 000 fl verweigerten, lieh ihm Rothschild 
diese Summe gegen einen Zinsfuß von 5 °/o. Infolgedessen wuchs 
das Vertrauen des Großherzogs und Rothschilds Einfluß. Im übrigen 
wurden die geschäftlichen Beziehungen besonders durch den Finanz 
minister Grafen Christian von Benzel-Sternau gepflegt. Das Haus 
Rothschild diskontierte die Wechsel, die eine Departementskasse 
des Großherzogtums auf die andere zog. Um den Kurs der Fulder 
Kassenscheine zu halten, 5°/oiger Staatsobligationen, die den Gläubigern 
zwangsweise aufoktroyiert wurden, hatte es dieselben vertragsmäßig 
gegen 4 °/o Provision zu dem vom Fulder Eskompteamt bestimmten 
Kurse einzulösen. Im Frühjahr 1813 schoß es 55 000 fl für Pferde 
vor, die der Großherzog für die französische Armee stellte, und 
im September desselben Jahres gewährte es einen weiteren Vor 
schuß von 200 000 fl. Als diese beiden Darlehen stattfanden, war 
Meyer Amschel schon nicht mehr unter den Lebenden 234 . 
Persönliches und Allgemeines. 
Rothschilds persönliche Eigenschaften sind schon im Verlauf 
unserer Darstellung zutage getreten. Einige Züge müssen jedoch 
hinzugefügt werden, um das Bild zu vervollständigen. 
Rothschild war eine durchaus religiöse Natur, strenggläubig, 
aber duldsam gegen Andersdenkende. Die Religion, die er bekannte, 
wollte er auch wissenschaftlich ergründen. Schon den Knaben führte
	        
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