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Begabung, um so leidenschaftlicher dieser Trieb, um so größer die
Freude und die Befriedigung an großen und belangreichen Unter
nehmungen. Dazu gehört aber beim Geschäftsmann das Zusammen
halten der Mittel. Und da Bestand und Wachstum der von Rothschild
gegründeten Macht nur durch Einigkeit erhalten und gefördert
werden konnte, so richtete er den Sinn seiner Kinder aufs ent
schiedenste in diese Bahn.
Nach dem Gesellschaftsvertrag vom 27. September 1810 betrug
das Geschäftsvermögen 800 000 fl 24 ff. Daran war der Vater mit
370 000 beteiligt, die Söhne Amschel und Salomon mit je 185 000,
Callmann und Jakob mit je 30 000. Am Gewinn und Verlust sollte
der Vater mit 24 Fünfzigstel, Amschel und Salomon mit je 12,
Callmann und Jakob mit je 1 Fünfzigstel beteiligt sein. Jakobs
selbstverdiente Summe sollte unverzinslich in der Handlung ruhen,
und sein Gewinnanteil sollte an Stelle eines Gehaltes dienen, bis
nach erlangter Volljährigkeit auch er mit 1 Fünfzigstel Gewinnanteil
als Teilhaber aufgenommen werde. Als aber Rothschild zwei Jahre
später sein endgültiges Testament machte, hatten sich diese Ver
hältnisse bereits geändert. Die Söhne waren alle Teilhaber, und
der Vater verkaufte ihnen seinen persönlichen Anteil um die Summe
von 190 000 fl. Daraus geht hervor, daß Rothschild den Geschäfts
anteil seiner beiden jüngsten Söhne inzwischen vermehrt hatte.
Schon im Gesellschaftsvertrag war dem Vater das Recht eingeräumt
worden, jedem der beiden jüngsten Söhne bei seiner Verheiratung
den Gewinn- und Verlustanteil auf 6 Fünfzigstel zu erhöhen, so
daß alsdann dem Vater nur 19, den beiden ältesten Söhnen nur
je 9 1 /z Fünfzigstel verbleiben sollten. Obgleich nun die beiden
jüngsten Söhne noch nicht verheiratet waren, hatte der alte Roth
schild, vielleicht in Erwartung des nahen Todes, von dieser Befugnis
bereits Gebrauch gemacht, allerdings in etwas veränderter Weise,
aber natürlich im Einverständnis mit den Söhnen. Damit war der
Fortbestand und das weitere Gedeihen des Geschäfts reichlich ge
sichert. Das hinterlassene Vermögen von 190 000 fl sollte folgender
maßen verteilt werden: Die Witwe Gutle Rothschild erhielt 70 000 fl,
die noch ledige Tochter Jettchen sollte bei ihrer Verheiratung 33 000 fl,
die beiden ledigen Söhrte Callmann und Jakob bei ihrer Verheiratung
jeder 20 000 fl erhalten. Diese Mitgiften sollten einstweilen in der
Handlung bleiben. Der Rest von 47 000 fl sollte an die vier bereits
verheirateten Töchter oder deren Kinder fallen. Das der Witwe
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