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zu halten, verspricht man ihm, daß er bei der Realisierung englischer
Wechselbriefe und beim Umtausch englischer Goldsorten beteiligt
werden soll. Infolgedessen machte er im Juni 1789 eine Eingabe
an den Landgrafen. Nach seinen Informationen wurden die englischen
Wechsel und die englischen Goldsorten den Kasseler Bankiers in
der Weise überlassen, daß Kredite von 30, 50, auch 100 000 Talern
zugestanden wurden und die Bezahlung ratenweise stattfand.
Rothschild bittet um die gleiche Vergünstigung, indem er alsdann
einen höheren Preis zahlen könne, als bei Barzahlung. Er will
mit dem kleinsten Kredit zufrieden sein, und da er nicht in Kassel
anwesend sein kann, um mitzubieten, so will er jedesmal in seinem
Verhältnis den höchsten Preis zahlen, der in Kassel überhaupt
geboten werde. „Ich schmeichle mir, daß ich, als ein vieljähriger
Fürstlich Hessischer Hoffaktor, nicht als ein Fremder angesehen
werden kann, der ich ehedem in Hanau den Preis der Englischen
Briefe zum Vorteil der Herrschaftlichen Gassen höher gebracht, als
vorhin gewesen, und zwar aus dem Grunde, weil man mir Credit
gegeben. Daß ich jederzeit mit der Zahlung richtig eingehalten,
darüber wird mir das Zeugniß der Hochfürstlichen Rentkammer
und Land-Gasse daselbst nicht entstehen können, als worauf ich
mich ganz frey berufen darf.“
Über diese Hanauer Wechselgeschäfte hat sich in den Akten
nichts weiter ermitteln lassen. England hatte zur Bekämpfung der auf
ständischen amerikanischen Kolonien Subsidienverträge mit mehreren
deutschen Fürsten abgeschlossen, dem Landgrafen Friedrich II. von
Hessen-Kassel, dem Erbprinzen Wilhelm in Hanau, den Regenten
von Braunschweig, Anspach-Bayreuth, Waldeck und Anhalt-Zerbst.
Mit Hessen-Hanau wurde im Anfang des Jahres 1776 abgeschlossen.
Rothschilds englische Wechselgeschäfte mit der Rentkammer und
Landkassendirektion daselbst werden also schwerlich vor diesem
Zeitpunkt begonnen haben. Sie sind vielleicht, nachdem Wilhelm
die Regierung von Hessen-Kassel angetreten hatte, noch fortgesetzt
worden. Mit dem Kasseler Hof aber begannen die Wechselgeschäfte
nicht früher als 1789.
Als Rothschild sein Gesuch in Kassel eingereicht hatte, wurde
zunächst das Kriegskollegium zum Bericht über ihn aufgefordert.
Es wandte sich an die Fürstliche Rentkammer und Landkassen
direktion in Hanau und auf deren Veranlassung noch an den Post
meister Rüppell in Frankfurt. Rothschild hatte bei der Verhandlung