— 25 —
englischer Wechsel in Hanau jederzeit Kredit gehabt, mit ansehn
lichen Summen richtig eingehalten und öfters die besten Preise
gemacht, er hatte auch noch immer den Ruf eines fleißigen und
ehrlichen Mannes, so daß man ihm nach kaufmännischen Grund
sätzen wohl Kredit geben konnte. Von seinen Vermögensumständen
aber war nichts in Erfahrung zu bringen.
Damit tritt das Verhältnis Rothschilds zum Landgrafen Wilhelm
in eine eigenartige Beleuchtung. Wenn dieser als Erbprinz mit
Rothschild in persönliche Beziehung getreten war und ihn genauer
kennen gelernt hatte, so hatte er ihn später jedenfalls wieder aus
dem Gesicht und aus dem Gedächtnis verloren. Zweifellos müssen
die Beziehungen eine längere Unterbrechung erlitten haben. Vielleicht
aber war Rothschild dem Erbprinzen persönlich nur wenig nahe
getreten und beschränkte sich bei seinen Hanauer Geschäften im
wesentlichen auf die übliche Vermittlung der Beamten. Während der
achtziger Jahre war er vielleicht schon mit Buderus (geb. 22. Fe
bruar 1759 in Büdingen) bekannt geworden, denn dieser war
damals in Hanau Landkassen-Obereinnehmer und besorgte neben
seinem Amt auch des Erbprinzen private Geldgeschäfte.
Der Erfolg seines Gesuchs war für Rothschild kein übermäßiger.
Der Landgraf bestimmte, daß man ihm versuchsweise Kredit bis
zu 1000 £ gewähren solle, worauf ihm dann tatsächlich 800 £
bewilligt wurden. Ein Hauptkonkurrent war der Kasseler Hofagent
Feidel David. Diesem wurde im Dezember 1789 die Summe von
25 000 £ auf sechsmonatigen Kredit überlassen. Und als im folgenden
Jahre ein Zinsbetrag von 40 000 holländischen Gulden aus einem
der Provinz Holland vorgeschossenen Anlehen verfügbar wurde,
machte Feidel David mit 140"/m Rtlrn. für 250 holländische Gulden
das höchste Gebot. Er erhielt den Zuschlag auf die ganze Summe.
Rothschild hätte gar nicht mitbieten können. Als er im Jahre 1790
um Erhöhung seines Kredits auf 10 000 ^ nachsuchte, wurden ihm
nicht mehr als 2000 £ zugestanden.
In den nächsten Jahren wurde seine Stellung jedenfalls nicht
leichter, denn jetzt traten die angesehensten Frankfurter Firmen in
Mitbewerb. Als im Jahre 1794 des Landgrafen Barguthaben bei
den van Hotten in London auf eine ansehnliche Summe gestiegen
war, beschloß man 150000 ^ von diesem Vorrat durch Wechsel
zur Kriegskasse einzuziehen. Der Oberkriegskommissar Buderus,
der schon drei Mal zum Verkauf englischer Wechsel in Frankfurt
M
WHO
» MM
1