Full text: Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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englischer Wechsel in Hanau jederzeit Kredit gehabt, mit ansehn 
lichen Summen richtig eingehalten und öfters die besten Preise 
gemacht, er hatte auch noch immer den Ruf eines fleißigen und 
ehrlichen Mannes, so daß man ihm nach kaufmännischen Grund 
sätzen wohl Kredit geben konnte. Von seinen Vermögensumständen 
aber war nichts in Erfahrung zu bringen. 
Damit tritt das Verhältnis Rothschilds zum Landgrafen Wilhelm 
in eine eigenartige Beleuchtung. Wenn dieser als Erbprinz mit 
Rothschild in persönliche Beziehung getreten war und ihn genauer 
kennen gelernt hatte, so hatte er ihn später jedenfalls wieder aus 
dem Gesicht und aus dem Gedächtnis verloren. Zweifellos müssen 
die Beziehungen eine längere Unterbrechung erlitten haben. Vielleicht 
aber war Rothschild dem Erbprinzen persönlich nur wenig nahe 
getreten und beschränkte sich bei seinen Hanauer Geschäften im 
wesentlichen auf die übliche Vermittlung der Beamten. Während der 
achtziger Jahre war er vielleicht schon mit Buderus (geb. 22. Fe 
bruar 1759 in Büdingen) bekannt geworden, denn dieser war 
damals in Hanau Landkassen-Obereinnehmer und besorgte neben 
seinem Amt auch des Erbprinzen private Geldgeschäfte. 
Der Erfolg seines Gesuchs war für Rothschild kein übermäßiger. 
Der Landgraf bestimmte, daß man ihm versuchsweise Kredit bis 
zu 1000 £ gewähren solle, worauf ihm dann tatsächlich 800 £ 
bewilligt wurden. Ein Hauptkonkurrent war der Kasseler Hofagent 
Feidel David. Diesem wurde im Dezember 1789 die Summe von 
25 000 £ auf sechsmonatigen Kredit überlassen. Und als im folgenden 
Jahre ein Zinsbetrag von 40 000 holländischen Gulden aus einem 
der Provinz Holland vorgeschossenen Anlehen verfügbar wurde, 
machte Feidel David mit 140"/m Rtlrn. für 250 holländische Gulden 
das höchste Gebot. Er erhielt den Zuschlag auf die ganze Summe. 
Rothschild hätte gar nicht mitbieten können. Als er im Jahre 1790 
um Erhöhung seines Kredits auf 10 000 ^ nachsuchte, wurden ihm 
nicht mehr als 2000 £ zugestanden. 
In den nächsten Jahren wurde seine Stellung jedenfalls nicht 
leichter, denn jetzt traten die angesehensten Frankfurter Firmen in 
Mitbewerb. Als im Jahre 1794 des Landgrafen Barguthaben bei 
den van Hotten in London auf eine ansehnliche Summe gestiegen 
war, beschloß man 150000 ^ von diesem Vorrat durch Wechsel 
zur Kriegskasse einzuziehen. Der Oberkriegskommissar Buderus, 
der schon drei Mal zum Verkauf englischer Wechsel in Frankfurt 
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