Metadata : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

Marnier  die  nötige  Kündigung.  Diese  erwiderten  jedoch,  daß  die
sechsmonatige  Kündigungsfrist  bereits  überschritten  sei:  „Wenn
demnach  ein  außergewöhnlicher  Capital  Abtrag  verlangt  werden
wolte,  so  Konten  wir  ohne  allerhöchste  Autorisation  des  Königlichen
Finanz-Collegii  in  Coppenhagen  nicht  einmahl  die  Aufkündigung
annehmen,  viel  weniger  eine  frühere  als  in  der  Obligation  stipulirte
Rückzahlung  hoffen  laßen.  Es  scheint  uns  aber  bedencklich,  und
aus  treuester  Anhänglichkeit  an  S e „  kurfürstliche  Durchlaucht  unterlaßen ­
  wir  vorerst  nach  Coppenhagen  zu  berichten;  denn  da  wir
doch  zu  Erhaltung  unserer  Ehre  /-  welche  christliche  und  jüdische
Handels  Neider  seit  lange  her  zweifelhaft  machen  mögten  -/  das
Motif,  nemlich  die  Anlage  in  Dänischen  auf  Rotschilds  Nahmen
lautenden  Obligationen  mit  anführen  müßten,  so  könte  das  Königliche ­
  Finanz  Collegium  daraus  den  Schluß  ziehen,  daß  nicht  der
eigene  Dänische  Staats  Credit,  sondern  blos  der  jüdische  Nahme
Rotschild  denen  Dänischen  Staats  Papieren  in  Heßen  annoch  Eingang
gewähre;  und  dies  ist  gewiß  so  sehr  gegen  Sr  Kurfürstlichen  Durchlaucht ­
  Höchste  Absicht,  daß  wir  es  uns  zum  Verdienst  rechnen,
Ew.  Hochfreyherrlichen  Excellenz  Hochwohl-  und  Wohlgebohrnen
hierauf  aufmerksam  zu  machen  und  unterthänig  anheim  geben,  zu
Conciliirung  des  höchsten  Kurfürstlichen  Intereße  mit  der  Ehre  der
Königlichen  Staats  Effecten,  entweder,  nach  dem  darin  enthaltenen
Vorbehalt,  die  Aufkündigung  bis  zum  30.  März  nächstkünftig  auszusetzen, ­
  oder  aber  zu  bestimmen,  auf  wieviel  Jahre  wir  die  Differenz
des  */*  Zinß  pro  Cent  auf  die  Königs.  Dänischen  100  Obligationen
unserer  älteren  Negotiation  zum  voraus  vergüten  sollen,  wodurch
der  Zinsfuß  mit  jenen  neueren  gleichgestellt  seyn  würde.“  134  Dieses
Ansinnen  wurde  in  Kassel  abgelehnt.  Man  beschloß,  die  Kündigung
bis  zum  30.  März  1807  auszusetzen,  dann  aber  den  von  Rothschild
beantragten  Umtausch  vorzunehmen.
Der  Kampf  der  beiden  Firmen  übertrug  sich  auch  auf  kurfürstliche ­
  Beamte.  Auf  Seiten  der  Rüppell  &  blamier  stand  der
Geheime  Kriegsrat  Lennep,  auf  Seiten  Rothschilds  Buderus.  Das
Verhältnis  der  beiden  Beamten  muß  ursprünglich  ebenfalls  ein
freundschaftliches  gewesen  sein 135 .  Erst  in  der  Exilzeit  verschlechterte ­
  es  sich.  Lennep  hatte  sich,  wie  oben  erzählt,  bei  der
Rettung  des  kurfürstlichen  Vermögens  beteiligt.  Mit  einem  gewissen
Recht  nahm  er  das  Verdienst  in  Anspruch,  seinem  Fürsten  viele
Millionen,  speziell  den  ganzen  Kuponvorrat  vom  Jahr  1806  und  1807
            
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