Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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Er  teilte  mit,  daß  sein  Sohn  sich  mit  seinem  Bruder  in  London
assoziieren  wolle,  und  bat  daher,  den  zugesagten  Schutzbrief  auf
seinen  eigenen  Namen  ausfertigen  zu  lassen.  Außer  den  übrigen
öffentlichen  Abgaben  erbot  er  sich  jährlich  an  die  Kasseler  Judenschaft ­
  ebenso  viel  zu  zahlen  wie  der  Oberhofagent  Moses  Joseph,
der  reichste  Kasseler  Schutzjude,  der  damals  mit  120  bis  125  rf  in
der  Schatzung  stand.  Auf  Grund  von  Gutachten  der  Judenschaft
und  der  Oberrentkammer  wurde  entschieden,  das  Gesuch  zu
gewähren,  vorausgesetzt,  daß  Rothschild  mit  seinem  Vermögen
nach  Kassel  ziehe  und  sich  hinsichtlich  seiner  Besteuerung  der
üblichen  Vermögensanlage  unterwerfe,  wie  sie  alljährlich  auf  dem
judenschaftlichen  Versammlungstag  stattfand.  Auf  diese  Bedingungen
konnte  natürlich  Meyer  Amschel  nicht  eingehen.  Da  ihm  aber
offenbar  sehr  viel  daran  gelegen  war,  in  Kassel  festen  Fuß  zu  halten,
so  kam  er  wieder  auf  den  Plan  mit  seinem  Sohn  zurück,  für
den  ja  im  Jahre  1803  leichtere  Bedingungen  zugestanden  waren.
Nachdem  die  Sache  sich  noch  drei  Vierteljahre  hingezogen  hatte,
wurde  endlich  der  Schutzbrief  für  den  Kriegszahlamtsagenten  Anselm
Mayer  Rothschild  aus  Frankfurt  am  Main  von  der  Oberrentkammer
ausgefertigt  und  unterm  21.  Juni  1806  gnädigst  vollzogen.  Anselm
Mayer  hatte  sich  vorher  durch  einen  Revers  verbindlich  gemacht,
nur  Bankiergeschäfte  zu  treiben.  Damit  war  endlich  in  aller  Form
das  erste  Rothschildsche  Zweiggeschäft  auf  dem  Kontinent  errichtet.
Dasselbe  sollte  aber  nur  von  kurzer  Dauer  sein.  Denn  als  im
November  desselben  Jahres  das  Kurfürstentum  von  den  Franzosen
besetzt  wurde,  machte  Anselm  Mayer  von  seiner  Kasseler  Handelsbefugnis ­
  keinen  Gebrauch  mehr 57 .  Er  unterließ  aber,  um  förmliche
Entlassung  aus  dem  erst  vor  kurzem  erworbenen  Untertanenverband
nachzusuchen,  und  so  folgte  auf  die  Episode  der  Kasseler  Filialbegründung
  noch  ein  langwieriges  gerichtliches  Nachspiel.
Seine  Beiträge  zu  den  Abgaben  und  Lasten  der  judenschaftlichen ­
  Korporation  in  Kurhessen  und  der  israelitischen  Gemeinde
in  Kassel  zahlte  Anselm  Mayer  einstweilen  weiter  bis  zum  Jahre  1809.
Von  da  ab  blieb  er  mit  seinen  Beiträgen  im  Rückstand,  und  als
die  Judenschaft  von  der  westfälischen  Regierung  zur  Rückzahlung
eines  aus  der  früheren  kurfürstlichen  Kriegskasse  erborgten  Kapitals
angestrengt  wurde,  weigerte  er  sich,  seinen  Anteil  zu  zahlen.
Infolgedessen  verklagten  ihn  die  Vorsteher  der  israelitischen  Gemeinde
im  November  1815  beim  Kasseler  Stadtgericht.  Anselm  Mayer
            
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