Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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sehen  Kommission  nach  der  Strenge  gerichtet  werden 62 .  Natürlich
war  es  mit  der  letzteren  Maßregel  auf  Ermittlung  des  kurfürstlichen
Vermögens  abgesehen.
Begreiflicherweise  hatte  der  Kurfürst  Vorkehrungen  getroffen,
um  seine  Schätze  und  die  Nachweisungen  seiner  Außenstände  zu
sichern.  Mehrere  Monate  vor  Ankunft  der  Franzosen  hatte  er
seinem  vertrautesten  Beamten  in  Finanzangelegenheiten,  dem  Geheimen ­
  Kriegsrat  Buderus  von  Carlshausen,  die  Verbergung  seiner
Wertpapiere,  seiner  Wertsachen  und  seines  Archivs  übertragen,
soweit  letzteres  Auskunft  über  seine  früheren  Einkünfte  und  seine
gegenwärtigen  Außenstände  gab.  Die  letzten  zwanzig  Jahrgänge
der  Rechnungsbücher,  Urkunden,  Belege  etc.  wurden  jedes  Mal  aus
dem  Archiv  ausgesondert  und  beiseite  geschafft.  Die  Wertpapiere
bestanden  in  Nominalobligationen,  Partialobligationen  und  den  zu
den  letzteren  gehörenden  Kupons.  Man  gebrauchte  die  Vorsicht,
die  Zinsbogen  von  den  Partialobligationen  zu  trennen  und  beides
an  verschiedenen  Plätzen  zu  verbergen.  Da  die  Bergungsgeschäfte
in  großer  Eile  vorgenommen  wurden,  so  darf  es  nicht  wundernehmen, ­
  daß  hier  und  dort  Verschiebungen  stattfanden,  Päcke  mit
Obligationen  unter  solche  mit  Kupons  gerieten.  Im  Monat  September ­
  brachte  Buderus  die  Nominal-  und  Partialobligationen  nach
Dänemark.  Staatspapiere,  die  nicht  der  eigentlichen  Finanzverwaltung, ­
  mit  anderen  Worten  nicht  dem  Vermögen  des  Kurfürsten
zukamen,  z.  B.  diejenigen  der  Witwenkassen,  wurden  zurückgelassen.
Ebenso  diejenigen  Papiere,  die  der  Maitresse  des  Kurfürsten,  der  Reichsgräfin ­
  von  Schlotheim,  ihrer  Schwester,  der  Majorin  von  Thümmel,
und  den  unrechtmäßigen  Kindern  des  Kurfürsten,  den  Flessenstein,
Heimrodt  und  Haynau 63 ,  gehörten.  Einige  Bankiers,  darunter  Meyer
Amschel  Rothschild,  hatten  beim  Kurfürsten  Lombardanleihen  gegen
Unterpfänder  von  Staatspapieren  gemacht.  Auch  diese  Obligationen
wurden  nicht  außer  Landes  geschafft.  Was  Buderus  nach  Dänemark
wegführte,  bestand  in  einem  Koffer  mit  Nominalobligationen  und
etwa  drei  Koffern  mit  Partialobligationen.  Sein  Diener  Waltz  begleitete ­
  ihn.  Der  Weg  führte  durch  die  Linie  der  französischen
Vorposten  und  war  nicht  ohne  Gefahr.  In  Schleswig  liegt  westlich
von  Kappeln  ein  Gutsbezirk  an  der  Schlei  namens  Roest.  Dort
hinterlegte  Buderus  die  herrschaftlichen  Obligationen  und  begab
sich  dann  eilig  zurück,  um  in  angestrengtester  Tätigkeit  für  die
Bergung  der  übrigen  Effekten  Sorge  zu  tragen 64 .
            
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