Full text : Finanzwissenschaft

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3.  Buch.  Die  Staatsausgaben.

mit  die  direkten  Steuern  in  höherem  Maße 1 ).  Auf  diesen  ungünstigen ­
  Einfluß  des  Volksregiments  hat  übrigens  schon  am  Ausgang
des  Mittelalters  der  Florentiner  Guicciardini  hingewiesen.  Leon
Say  sagt,  es  könne  keine  geordneten  Finanzen  in  einem  Staate
geben,  in  welchem  die  Prinzipien  der  vorgeschrittenen  demokratischen
Schule  Wurzel  gefaßt  haben  und  wo  der  Wirkungskreis  des  Staates
übermäßig  ausgedehnt  ist.  Wenn  der  Staat  viel  leisten  soll,  muß
er  viel  ausgeben  2 ).
Die  in  neuerer  Zeit  eingetretene  außerordentliche  Steigerung
der  absoluten  Staatsausgaben  ist  von  deren  relativer  Steigerung  zu
unterscheiden,  welche  von  dem  Verhältnisse  der  Ausgaben  zu  den
Einnahmsquellen  des  Volkes  abhängt.  Obwohl  wir  auch  hier  die
exakte  Basis  vermissen,  so  ist  doch  aus  verschiedenen  Symptomen
mit  Sicherheit  anzunehmen,  daß  in  der  jüngsten  Periode  die  wirtschaftliche ­
  Leistungskraft  des  Staates  in  höherem  Maße  zugenommen
hat  als  die  Staatsausgaben.
Eine  bedeutende  Erhöhung  der  Staatsausgaben'  hat  im  Leben
der  Staaten  immer  eine  große  Erregung  hervorgerufen.  Als  in
Frankreich  das  Budget  die  Milliarde  erreichte,  bemächtigte  sich
der  öffentlichen  Meinung  eine  große  Aufregung.  Dasselbe  geschieht,
als  im  Jahre  1860  die  zweite  Milliarde  erreicht,  1868  als  die  dritte
Milliarde  erreicht  wurde  (Horn :  Salut  au  troisieme  milliard).  Vor
dem  Kriege  überschritten  die  Ausgaben  bereits  die  vierte  Milliarde,
nach  dem  Weltkriege  gewiß  die  fünfte  Milliarde.
In  Ungarn  stiegen  die  Staatsausgaben  seit  Wiederherstellung
der  Verfassung  (1867)  folgendermaßen:  1868  betrugen  die  ordentlichen ­
  Ausgaben  269  Millionen  Kronen,  1912  1580  Millionen  Kronen.
Im  Jahre  1912  überschritten  sie  bereits  die  zweite  Milliarde.

*)  Mühlemann,  Das  Steuerwesen  der  Schweiz.  (Zeitschrift  für  schweizerische ­
  Statistik.  1883.  8.  121.)
2 )  Zu  den  Finanzministern,  die  immer  auf  die  Notwendigkeit  der  Einschränkung ­
  der  Ausgaben  hinweisen,  nimmt  namentlich  Gladstone  eine  hervorragende
Stelle  ein.  Wir  wollen  nur  einige  seiner  Aussprüche  zitieren:  all  excess  in  the
public  expenditure  beyond  the  legitimate  wants  of  the  country  is  not  only  a
pecuniary  waste,  but  a  great  political  and  above  all  a  great  moral  evil  (Morley,
Gladstone  II  2,  S.  91).  —  Economy  is  the  first  and  great  article  in  my  financial
creed  (8.  98).
            
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