XI. Abschnitt. Die persönlichen Ausgaben.
117
kosten dieser Arbeit, andererseits von dem Werte der Arbeit ab.
Die Bestimmungsgründe der Höhe der Besoldung sind aber noch
von eigentümlichen Verhältnissen beeinflußt. Hierzu gehört vor
allem die mit dem Staatsdienst verbundene Rangstellung, die es
verursacht, daß bei gleicher Arbeitsleistung ein im Staatsdienst Be
amteter sich mit einem geringeren Gehalt befriedigen wird als im
Privatdienst 1 ). Der Staat ist ferner in der Lage, durch Auszeich
nungen, Rangerhöhungen seine Erkenntlichkeit für geleistete Dienste
auszudrücken. Dann hat der Staatsdienst den Vorzug, daß er in
der Regel eine lebenslängliche Versorgung bedeutet. Der Staat
wird das Aufsteigen in höhere Gehaltsklassen nach objektiven
Regeln festsetzen, während dies im Privatdienst größtenteils der
persönlichen Willkür unterliegt. Auch die Inanspruchnahme der
Arbeitskraft ist geregelt, die im Privatdienst gleichfalls oft willkür
lich ausgebeutet wird. Der Vorteil, daß der Staat seinen Beamten
eine Altersversorgung oder Ruhestandsversorgung bietet — Pension —,
ist in neuerer Zeit dadurch ausgeglichen, daß auch im Privatdienst
immer mehr zur Regel wird, daß den Angestellten diese Benefizien
eingeräumt werden. Freilich ist deren Genuß bei Privatunter
nehmungen doch nicht in dem Grade gesichert wie beim Staat.
Andererseits kommen bei Bestimmung der Höhe der Besoldung
folgende Umstände in Betracht. Der Staat und die Gesellschaft
verlangt vom Staatsbeamten, daß er äußerlich seine einen höheren
Anwert genießende Stellung in seiner Lebenshaltung zum Ausdruck
bringe, sein Standard ist daher im allgemeinen ein höherer als des
im Privatdienst Befindlichen oder des kleinen Unternehmers, Ge-
werbsmannes usw. Dann kommen die höheren Kosten der Aus
bildung und der spätere Eintritt in die produktive Tätigkeit in Be
tracht. Engel hat berechnet, daß bei dem subalternen Beamten
die Kosten der Ausbildung 1510 Mark betragen, bei Beamten mitt
lerer Qualifikation 10440, bei Beamten mit Universitätsbildung
16 200 Mark. Diese Kosten sind natürlich in unseren Tagen noch
bedeutend gestiegen.
Das Gehalt des Beamten gehört zu jenen Fällen der Preis
bestimmung, wo auch die Zahlungsfähigkeit, der Reichtum des
Staates eine Rolle spielt. Ein reicherer Staat wird im allgemeinen
seine Beamten besser stellen als ein armer.
Natürlich muß das Gehalt des Beamten auch die Möglichkeit
0 „Ein Unterstaatssekretär mit 2000 £ jährlichen Gehalts genießt weit
höheres Ansehen als der Direktor einer Finanzgesellschaft mit 5000 £ und die
Ersparnis der Differenz kommt dem Lande zugute“. (Bagehot, Englische Ver
fassungszustände, Berlin 1868, S. 127.)