Full text: Finanzwissenschaft

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3. Buch. Die Staatsausgaben. 
von nur wenigen Jahren vorher eine oft 100 prozentige Steigerung 
zeigen. Als Erfolge sehen wir die Gestaltung immenser Einkommen 
und rasch gebildeter kolossaler Vermögen und damit die Entfaltung 
eines ungesunden Luxus, Steigerung der Preise großer Wohnungen, 
der feineren Stoffe, der Edelsteine und Perlen, welch letztere bis zum 
zehnfachen Preise ansteigen. 
Dies die Wirkung der vom Staate in Bewegung gesetzten 
Milliarden. Dem stehen freilich die traurigen Folgen des Krieges 
gegenüber, deren Untersuchung hier aber nicht unsere Aufgabe ist. 
Es ist überflüssig zu betonen, daß diese Milliarden zum größten Teil 
aus Anlehen, zum weit geringeren Teil aus die Bevölkerung schwer 
belastenden Steuern fließen. 
Dies das Bild des Einflusses der Kriegsfinanzen auf die Volks 
wirtschaft. Es ist im großen ganzen das Bild einer fabelhaften 
Kraftentwicklung, einer Prosperität fast aller, die an der Produktion 
teilnehmen, dagegen einer gefährlichen Dekadenz aller, die an der 
Produktion unmittelbar nicht teilnehmen, deren Erwerb sich auf 
Dienstleistungen stützt und die zumeist von fixen Bezügen leben. 
Wir wollen uns noch kurz mit der Frage beschäftigen, ob die 
Kriegsausgaben als produktive Ausgaben zu betrachten sind. Be 
kanntlich handelt es sich hier um eine weit umstrittene Frage. 
Daß Kriege in politischer und ethischer Beziehung produktiv, werte 
schaffend sein können, also politische und ethische Werte schaffen 
können, die dann in ihrer Weiterwirkung, also mittelbar auch wirt 
schaftliche Werte schaffen können, unterliegt keinem Zweifel. Hier 
über zu streiten, wäre wahrlich ein Streit um des Kaisers Bart. 
Die Frage ist nur dann eine schwierige, wenn es sich darum handelt, 
ob Kriege unmittelbar wirtschaftliche Werte schaffen? Ob Kriege 
nicht vielmehr destruktiver Natur sind? Zur Beantwortung dieser 
Frage können wir meiner Ansicht nach am besten auf dem Wege 
folgender Betrachtungen kommen. Der kriegführende Staat kauft 
bekanntlich mit seinen Milliarden Güter, die verbraucht werden, 
ohne in neuen wirtschaftlichen Gütern reproduziert zu werden. 
Der Staat erhält für seine Milliarden nicht produktiv verwendbare 
oder besser produktiv verwertbare Güter, sondern Güter, die der 
Vernichtung dienen und der Vernichtung preisgegeben sind. Auf 
der Seite des Verkäufers, der dem Staate die zur Kriegführung 
nötigen Werkzeuge und Stoffe liefert, werden die Werte produktiv 
verwendet, sie reproduzieren sich, wenigstens zum größten Teil, ein 
geringerer Teil geht auch hier effektiv verloren, z. B. als Folge 
überspannter Preise. Aber auf seiten des Staates verliert der dem 
Staate dargebotene Gütervorrat seine produktive Wirkung. Wir
	        
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