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4. Buch. Die Staatseinnahmen.
Einnahme aus dem Betriebe einer staatlichen Notenbank oder einer
staatlichen Maschinenfabrik ist eine mechanische Einnahme.
4. Privatwirtschaftliche Einnahmen sind jene, bei welchen in
bezug auf die Gewinnung der Einnahmen zwischen dem Staat und
den Staatsbürgern, dem Staats- und Privathaushalt kein wesentlicher
Unterschied ist. In diesen Fällen ist auch der Staat Produzent,
Unternehmer, der gewisse Güterquellen, namentlich Grund und
Boden zum Erwerb von Einnahmen in Tätigkeit setzt. Obwohl
diese privatwirtschaftlichen Einnahmen auf verschiedenen Entwick
lungsstufen des Staates verschiedene Bedeutung haben, so ist es doch
kaum wahrscheinlich, daß dieselben je gänzlich aus dem Staatshaus
halte verschwinden werden. Ja in einem eventuell zur Gestaltung
kommenden sozialistischen Staate würde das ganze Staatseinkommen
diesen Charakter behalten und den einzelnen würde ihr Anteil aus
diesem Einkommen angewiesen werden. Doch hiervon ganz abge
sehen, die gewaltige Maschinerie des Staates und deren Zusammen
hang mit der ganzen nationalen Wirtschaft bringt es mit sich, daß
der Staat zu jeder Zeit im Besitze von ertragbietenden Vermögens
teilen und nach volkswirtschaftlichen Prinzipien verwalteten Unter
nehmungen sein wird. In dieser Hinsicht ist ja die neuere Zeit
lehrreich genug, die den interessanten Prozeß zeigt, daß einerseits
gegen die wirtschaftliche Tätigkeit des Staates protestiert wird,
andererseits aus höherem volkswirtschaftlichem Interesse die Ver
staatlichung von Eisenbahn, Notenbank, Versicherungswesen, Kohlen
bergbau usw. gefordert wird.
Wenn wir die Gründe näher ins Auge fassen, welche gegen
die wirtschaftliche Tätigkeit und hiermit zusammenhängend gegen
den privatwirtschaftlichen Erwerb des Staates angeführt werden, so
finden wir namentlich die folgenden: 1. Das geringe direkte Inter
esse der staatlichen Angestellten, da ihr festgesetztes Einkommen
von dem Schicksal des Unternehmens unabhängig ist. 2. Der
Mangel der Initiative und raschen Verfügung, welche beide im wirt
schaftlichen Leben oft von entscheidender Wichtigkeit sind. Ein so
großer Organismus, wie der Staat, muß mehr weniger hierarchisch
eingerichtet sein mit streng umschriebenen Kompetenzen, was die
rasche Handlungsfähigkeit ausschließt. 3. Durch seine privatwirt
schaftliche Tätigkeit schränkt der Staat nicht nur das Gebiet ein,
auf welchem sich die Staatsbürger wirtschaftlich betätigen können,
sondern er bedroht dieselben sogar mit seiner eventuell gefährlichen
Konkurrenz, welche die auf seiten des Staates wirkenden Vorteile
(Notorietät, Vertrauen, Steuerfreiheit usw.) noch erschweren. Es
ist das besondere Verdienst von Adam Smith, daß er, die Bedeu-