IV. Abschnitt. Staatsschatz und Reserve.
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Bedürfnissen entzogen, so daß für Deckung der letzteren andere
Einnahmsquellen in Anspruch genommen werden müssen, eventuell
mehr Steuer eingehoben werden muß. Die Ansammlung entzieht
die Edelmetalle der Verwendung, häuft dieselben in unproduktiver
Weise an, verursacht großen Zinsverlust, abgesehen von dem Ver
lust, der mit deren Ausschaltung auch sonst verbunden ist. Hierzu
kommt, daß der eigentliche Zweck nicht immer erreicht wird. Der
Schatz wird nicht immer für außerordentliche, namentlich Kriegs
ausgaben zurückgehalten, da schon seine Existenz zu Ausgaben
reizt, so daß derselbe Angriffen stets ausgesetzt ist. Natürlich eifert
die Schatzbildung des einen Staates auch die anderen Staaten zu
gleichem Vorgehen an, wodurch der Friede mehr gefährdet als ge
sichert erscheint. Auch in politischer Beziehung ist der Schatz be
denklich, da er die Regierung vom gesetzgebenden Faktor unab
hängig macht und so leicht zu abenteuerlichen Entschlüssen führt.
Diese Momente zusammengenommen haben im Laufe der Zeit die
Auffassung gereift, daß die Ansammlung des Staatsschatzes irra
tionell ist.
Die Verteidigung der Institution des Staatsschatzes beschränkt
sich demzufolge in der Gegenwart hauptsächlich auf das eine Mo
ment, daß es wünschenswert erscheint, wonach eine Regierung bei
Ausbruch eines Krieges nicht sogleich mit schweren Geldsorgen zu
schaffen haben solle. Namentlich für die Kosten der Mobilisierung
soll gesorgt sein, da oft die ersten Tage entscheidend sind und nach
einem Erfolge auch der Geldmarkt sich entgegenkommender zeigt.
Es hat auch eine Schule von Strategen gegeben, die gerade auf
den ersten bedeutenden Erfolg Gewicht legten und erwarteten, daß
ein solcher von endgültiger Entscheidung sein muß. Der lang
andauernde Weltkrieg bestätigt diese Auffassung nicht, denn die
großartigen Erfolge der deutschen Waffen in Belgien und Frank
reich haben das Unglück eines langen Krieges nicht abzuwenden
vermocht.
In der Frage des Staatsschatzes, die die liberale Nationalöko
nomie fast als entschieden hinstellte, haben namentlich die neueren
Erfahrungen eine gewisse Wendung herbeigeführt. Bekanntlich hat
auf preußischer Seite sich in den Kriegsjahren von 1860 und 1870/71
der Staatsschatz bewährt. Bei Beginn des Deutsch-Französischen
Krieges hatte in Berlin der Staatskredit mit großen Schwierigkeiten
zu kämpfen. Der Norddeutsche Bund legte eine Anleihe von 120
Millionen Taler zu 5 Prozent auf, zum Kurse von 88; hiervon
wurde an der Berliner Börse bloß wenig gezeichnet; den größten