A. III. Abschnitt. Die Steuer als wirtschaftliche Funktion. 217
herstellung der Verfassung im Jahre 1867 beginnt die schon der
unmittelbaren Vergangenheit angehörende Epoche.
Blicken wir auf die hier kurz skizzierte (Jeschichte des Steuer
wesens zurück, so sehen wir, wie eng dasselbe mit den politischen
Einrichtungen und insbesondere auch mit der Wehrverfassung zu
sammenhängt. Die Steuergeschichte ist ein Resultat der
wirtschaftlichen Entwicklung, der sozialen Gliede
rung, der politischen Verfassung und der militäri
schen Machtgestaltung. Die Steuerlast wird zum großen
Teile vorerst auf jene Klassen abgewälzt, die an der Ausübung der
politischen Rechte keinen Anteil haben. Die Steuerbewilligung ist
das Recht des Adels, das von den politischen Körperschaften aus
geübt wird. Das Steuerwesen gelangt zu seiner vollen Entwicklung
mit der Einführung des Systems der stehenden Heere.
ITT. Abschnitt.
Die Steuer als wirtschaftliche Funktion.
1. Die Steuer hat außer dem finanziellen auch den Charakter
einer speziellen wirtschaftlichen Funktion und kann auch unter
diesem Gesichtspunkte betrachtet werden. Was ist demnach die
Steuer, wenn wir dieselbe in die Kette der wirtschaftlichen Vorgänge
hineinstellen, und dieselbe nach ihrer wirtschaftlichen Rationalität
untersuchen? Da der Lebenslauf des Gutes die Stadien der Pro
duktion, des Verkehrs, der Einkommenverteilung und des Ver
brauches durchmacht, wo die Beziehung und Bedeutung des Gutes
sich stets ändert, obwohl es nur dasselbe Gut ist um das es sich
handelt, so wird die Steuer als wirtschaftliche Funktion gleichfalls
diese verschiedenen Seiten des wirtschaftlichen Lebens aufweisen.
Sie wird sich uns als eine Erscheinung der Produktion, des Ver
kehrs, der Einkommenverteilung, des Verbrauches darstellen. Die
meisten Theorien wollen aber in der Regel nur eine Seite in Be
tracht ziehen. So begegnen wir der Theorie, die die Steuer rein
als eine Erscheinung des Produktionslebens auffaßt. Dementsprechend
befördert der Staat durch seine mittelst der Steuer alimentierten
Institutionen die Produktion, befördert die Entwicklung der Pro
duktionskräfte, schafft die Vorbedingungen der planmäßigen, ge
sicherten, ununterbrochenen Gütererzeugung. Mit einem Worte