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4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
wenn es bloß der Erhaltung eines Menschen, z. B. eines Jung
gesellen dient, als wenn es einer zahlreichen Familie die Erhaltung
sichern soll. 4. Der Wohnort, denn von demselben Einkommen
wird die Bedürfnisbefriedigung in der Stadt einen größeren Teil
in Anspruch nehmen, als auf dem Lande. 5. Der Familienstand,
insofern als Waisen, Witwen gewisse Schonung verdienen.
Ein einfaches Beispiel zeigt die Dichtigkeit des Prinzipes der
Progression. Ein Gewerbsmann, der 10000 Mark im Jahre ver
dient, wird dem Staate nur wenig Opfer zu bringen imstande sein
und fünf Gewerbsleute, von denen einzeln jeder 10000 Mark ver
dient, also insgesamt 50000 Mark, werden dem Staate gleichfalls
nur wenig zu opfern imstande sein. Wenn wir dagegen einen
solchen Gewerbsmann nehmen, der allein 50000 Mark verdient, so
werden wir finden, daß derselbe weit mehr zu opfern vermag, als
die obigen fünf Gewerbsleute zusammengenommen. Dieser Tatsache
gab schon Friedrich der Große Ausdruck, als er sagte, daß ein
reicher Mann, der ein Einkommen von 5000 Taler besitzt, auch die
Hälfte dieses Einkommens als Steuer bezahlen kann, da er noch
immer seinen Lebensbedarf decken könnte, während Jemand, dessen
Einkommen bloß 80 Taler beträgt, viel opfern würde, wenn er einen
Taler Steuer bezahlen würde.
Eine der schwierigsten Aufgaben der Steuerpolitik ist die
richtige Festsetzung des Steuerschlüssels. Wenn der Staat keine
Rücksicht nimmt auf die Verschiedenheit der in verschiedenen Ein
kommen ruhenden Steuerkraft, also große und kleine Einkommen
proportioneil, also mit dem gleichen Steuerfuß besteuert, dann
können zwei Fälle eintreten : entweder geht der Staat von der
größeren Leistungsfähigkeit der größeren Einkommen aus, wodurch
er die kleinen Einkommen übermäßig belastet, oder er geht von
den kleinen Einkommen aus, dann unterläßt er es wieder, die großen
Einkommen entsprechend in Anspruch zu nehmen. Und in letzterem
Falle werden die kleinen Einkommen, trotzdem ihre Leistungsfähig
keit zum Ausgang genommen wird, im Übermaße in Anspruch ge
nommen, denn wenn der Staat die volle Leistungsfähigkeit der
großen Einkommen in Anspruch nehmen würde, dann würde die
Steuerlast der kleinen Einkommen sich mindern. Überdies sind
hier noch andere Momente in Betracht zu ziehen. Vor allem, daß
die genaue Festsetzung der großen Einkommen schwieriger ist, als
die der kleinen Einkommen, bei welchen das Minimum der Existenz
kosten als Stützpunkt dient. Ferner, daß wegen der häufigen Un
regelmäßigkeit der kleinen Einkommen die Opfer dieser Steuerträger
größer sind, schon wegen der geringeren Kenntnis der Gesetze, der