Full text : Finanzwissenschaft

B.  IV.  Abschnitt.  Das  Prinzip  der  Steuerprogression.

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geringeren  Fähigkeit  der  Orientierung  und  Verteidigung,  wegen  des
mit  der  Steuerzahlung  verbundenen  Zeitverlustes  usw.
Von  jenen  Faktoren,  welche  auf  die  Größe  des  in  der  Steuer
gebrachten  Opfers  Einfluß  ausüben ,  kommen  auch  die  im  Einkommen ­
  vorkommenden  Veränderungen  in  Betracht  (Meyer).  In
jedem  Haushalte  entwickelt  sich  hinsichtlich  der  Größe  und  der
Art  der  Bedürfnisbefriedigung  ein  gewisses  System,  welches  große
Tenacität  beweist.  Wenn  das  Einkommen  steigt,  so  steigen  doch
nicht  sogleich  auch  die  Bedürfnisse.  In  diesem  Falle  ist  also  die
Steuerfähigkeit  eine  größere,  als  in  Haushaltungen,  die  über  dasselbe ­
  Einkommen  verfügen,  aber  dieses  Einkommen  bereits  in  dem
ständigen  Niveau  der  Bedürfnisbefriedigung  zum  Ausdruck  brachten.
Diese  Haushaltungen  sind  daher  nach  einem  höheren  Schlüssel  zu
besteuern.  Der  entgegengesetzte  Fall  tritt  ein,  wenn  das  Einkommen
abnimmt.  Hier  kann  wieder  die  Bedürfnisbefriedigung  nicht  sogleich ­
  reduziert  werden,  die  Leistungsfähigkeit  dieser  Haushaltungen
ist  also  geringer,  als  die  jener  Haushaltungen,  welche  wohl  gleichfalls ­
  nur  über  das  gleiche  Einkommen  verfügen,  aber  in  der  Bedürfnisbefriedigung ­
  sich  diesem  Niveau  längst  anbequemt  haben.
Freilich  scheint  dieses  Moment  schon  zu  jenen  zu  gehören,  die  beim
progressiven  Steuerfuß  schwer  in  Betracht  gezogen  werden  können,
auch  der  erwähnte  Schriftsteller  will  dasselbe  nur  bei  der  Steuerveranlagung ­
  berücksichtigen.  Übrigens  ist  es  gewiß,  daß,  von  Ausnahmefällen ­
  abgesehen,  die  Anpassung  der  Bedürfnisse  an  das  Einkommen ­
  mit  Raschheit  erfolgt,  höchstens  mit  dem  Unterschiede,  daß
die  Ausgleichung  rascher  erfolgt  bei  steigendem,  als  bei  abnehmendem ­
  Einkommen,  denn  der  Mensch  lernt  rascher  neue  Bedürfnisse
und  die  Annehmlichkeit  der  Befriedigung  derselben  kennen,  als  die
Verzichtleistung  auf  gewohnte  Bedürfnisse.
Die  Berechtigung  der  progressiv  steigenden  Besteuerung  der
höheren  Einkommen  findet  seine  Berechtigung  auch  darin,  daß  auf
diese  Weise  auch  das  Ziel  erreicht  wird,  daß  das  fundierte  Einkommen ­
  stärker  besteuert  wird  als  das  unfundierte.  Die  höheren
Einkommen  stammen  nämlich  überwiegend  aus  Vermögen  und  deren
höhere  Besteuerung  gestattet  wenigstens  einigermaßen  die  UntAscheidung
  von  fundiertem  und  unfundiertem  Einkommen.  Ja  es
kommt  hierbei  noch  in  Betracht,  daß  je  höher  das  Einkommen  ist,
desto  größer  ist  auch  proportioneil  das  demselben  zugrunde  liegende
Vermögen,  da  die  größeren  Vermögen  geringere  Verzinsung  bieten.
7.  Einzelne  Schriftsteller  haben  den  progressiven  Steuerfuß
namentlich  in  seiner  Einwirkung  auf  die  Einkommensverteilung
untersucht.  Hier  begegnen  wir  namentlich  jenen,  die  eben  aus
            
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