Full text : Finanzwissenschaft

I.  Abschnitt.  Grundbegriffe.

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auch  in  geringerem  Maße.  Doch  tut  sich  hier  in  der  Verstaatlichung
der  Kraftquellen  ein  neues,  großes  Gebiet  auf.  Um  so  bedeutender  ist
die  Tätigkeit  des  Staates  auf  dem  Gebiete  des  Verkehrswesens,  namentlich ­
  des  Eisenbahnwesens,  auf  dem  Gebiete  des  Bankwesens,  des  Versicherungswesens, ­
  der  Schiffahrt  usw.  Die  meisten  Güter  freilich,
deren  der  Staat  bedarf,  muß  er  aus  dem  Verkehr  beschaffen  und  so
greift  seine  Tätigkeit  tief  in  das  Getriebe  des  Verkehrs,  in  die  Bestimmung ­
  der  Preise  und  Löhne  usw.  ein.  Der  Staat  ist  heute  der  wich
tigste  Käufer.  Rohstoffe,  Hilfsstoffe,  Brennstoffe  kauft  er  in  großen
Quantitäten,  für  seine  Fabriken,  Eisenbahnen  und  Schiffe  braucht
er  Kohle  und  Eisen,  für  das  Heer  Bekleidungsgegenstände  und
Nahrungsmittel,  Waffen  und  Munition,  für  seine  Amtslokalitäten
braucht  er  Einrichtungsgegenstände,  Möbel,  Schreibrequisiten,  Beleuchtungs-
  und  Heizstoffe,  auf  allen  Gebieten  verwendet  er  eine
Unzahl  von  höheren  und  geringeren  Arbeitskräften.  Seine  Nachfrage ­
  ist  ausschlaggebend  für  Produktion  und  Konsumtion,  für
Preise  und  Löhne.  Hieraus  ergibt  sich  für  den  Staat  eine  außerordentlich ­
  schwierige,  komplizierte  Tätigkeit,  die  tüchtige,  gewissenhafte ­
  Kräfte  erfordert.  Alles  muß  in  den  nötigen  Quantitäten,  in
der  rechten  Zeit,  zum  entsprechenden  Preise  angeschafft,  gehörig
aufbewahrt  und  verwendet  werden.  Hier  berührt  sich  die  staatliche
Tätigkeit  mit  großen  Privatinteressen,  die  oft  nach  Ausbeutung  des
Staates  trachten  und  Korruption  in  die  Staatsmaschine  einpflanzen.
Werden  die  Anschaffungen  im  Inlande  effektuiert,  so  bietet  dies
der  inländischen  Produktion  Nahrung,  während  diese  entzogen  wird,
wenn  die  Anschaffungen  im  Auslande  geschehen.  Alle  Käufer,
alle  Konsumenten  berührt  in  ihrem  Interesse  das  Preisangebot  des
Staates,  denn  diese  Preise  werden  auch  für  sie  maßgebend  sein.
Ja  auf  manchem  Gebiete  wird  der  Einfluß  des  Staates  geradezu
maßgebend  sein  und  es  kann  ebensogut  geschehen,  daß  er  zu  hohe,
als  daß  er  zu  niedrige  Preise  bietet.  Die  Wirkung  dieses  Verhaltens ­
  pflanzt  sich  natürlich  fort  auf  die  Einkommensverteilung,
auf  die  Gestaltung  des  Unternehmergewinnes,  des  Kapitalzinses  und
des  Arbeitslohnes.  Hier  berührt  dann  der  Staat  das  große  soziale
Problem,  das  er  hier  günstig  und  ungünstig  beeinflussen  kann.
Aber  auch  auf  dem  Gebiete  des  Kreditwesens  macht  sich  die  finanzielle ­
  Tätigkeit  des  Staates  geltend,  der  hier  sowohl  als  Darlehnsnehmer ­
  wie  als  Darlehnsgeber  auftritt.  Die  staatliche  Verwaltung
muß  also  eine  genaue  Kenntnis  haben  von  dem  Geld-  und  Kapitalmarkt ­
  in  seiner  ganzen  Ausdehnung,  eine  genaue  Kenntnis  der
steten  Bewegungen  auf  dem  Kapitalmarkt,  der  Gestaltung  des  Zinsfußes, ­
  der  denselben  beeinflussenden  Momente.  Der  Staat  ist  ein
            
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