Full text : Finanzwissenschaft

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1.  Buch.  Einleitende  Lehren.

Wissenschaft  mit  der  Volkswirtschaftslehre  gemeinsam  bearbeitet
wurde,  was,  wie  bemerkt,  namentlich  in  der  englischen  Wissenschaft
geschah,  bildete  fast  ausschließliches  Problem  die  Eückwirkung  der
Staatswirtschaft  und  namentlich  der  Besteuerung  auf  das  wirtschaftliche ­
  Leben.  Daß  die  freilich  verwickelte,  oft  ungerecht  und  willkürlich ­
  verfahrende  Staats  wirtschaft  mit  ihren  anscheinend  rein
empirischen  Maßregeln  wissenschaftlich  behandelt  werden  kann,
wurde  im  allgemeinen  nicht  klar  und  demzufolge  wurde  nur  die
Rückwirkung  dieses  notwendigen  Übels  auf  die  Erscheinungen  des
Wirtschaftslebens  untersucht.  Von  diesem  Standpunkte  aus  begreifen ­
  wir,  warum  die  Frage  der  Überwälzung  eine  so  wichtige
Rolle  spielte,  was  ja  eine  rein  wirtschaftliche  Erscheinung,  eine  Erscheinung ­
  der  Preisbildung  ist,  wie  dies  immer  mehr  anerkannt
wird.  Die  erste  Aufgabe  im  Interesse  der  Weiterbildung  der  Finanzwissenschaft ­
  war  also  die  Verselbständigung  der  Wissenschaft,
denn  erst  hierdurch  trat  das  Ganze  der  Staatswirtschaft  und  deren
gesamte  Phänomene  vor  das  Auge  der  Forschung.  Diese  Verselbständigung ­
  vollzog  sich  im  neunzehnten  Jahrhundert  und  es  kann
nicht  bezweifelt  werden,  daß  dies  hauptsächlich  das  Verdienst  der
deutschen  Wissenschaft  ist.  Die  Werke  von  Jakob,  Mal  thus,  Hoffmann, ­
  vor  allem  aber  von  Rau  bilden  die  Einleitung  zu  den  größeren
Leistungen  der  folgenden  Zeit.  Die  Verselbständigung  der  Finanzwissenschaft ­
  bedeutet  aber  nicht  ein  Losreißen  von  der  Nationalökonomie, ­
  da  ja  die  Zusammengehörigkeit  beider  aus  der  Natur  der
Sache  fließt  und  darum  konnten  auch  jene  Schriftsteller  fernerhin
den  engen  Zusammenhang  beider  Wissenschaften  betonen,  die  dieselbe ­
  selbständig  behandelten,  wie  Rau,  Roscher,  Cohn  usw.,  ja
letzterer  geht  auch  in  der  Darstellung  des  Stoffes  von  nationalökonomischen ­
  Gesichtspunkten  aus.
Neue  Anregungen  gewann  die  Finanz  Wissenschaft  durch  die
große  Arbeit,  die  Lorenz  v.  Stein  dieser  Wissenschaft  widmete.
Das  Wesen  seiner  Leistung  besteht  vor  allem  darin,  daß  er  die
Probleme  der  Finanzverfassung  und  Finanzverwaltung  eingehend
beleuchtete  und  wissenschaftlich  klärte.  Seine  großen  Leistungen
auf  dem  Gebiete  der  Verwaltungswissenschaft  haben  auch  der  Finanzwissenschaft ­
  neues  Licht  gebracht.  Im  allgemeinen  hat  er  die
Behandlung  wissenschaftlich  vertieft.  Während  bis  zu  seiner  Zeit
die  Finanzwissenschaft  mehr  Finanzkunde  war,  Darstellung  des
herrschenden  Finanzrechtes,  hat  er  mit  philosophischer  Methode  die
Grundfragen  zur  Untersuchung  gestellt,  indem  er  vorerst  den  historischen ­
  Gesichtspunkt  erfaßte  und  in  der  Gestaltung  jeder  einzelnen
Periode  des  Finanzwesens  den  Einfluß  der  herrschenden  staatlichen
            
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