36 2. Buch. Die verfasaungsmäßige Ordnung des Staatshaushaltes u. das Budget.
Kritik, eventuell zur Geltendmachung des Prinzips der Ministerverantwortlichkeit
zu machen. Die Übung der politischen Kec e
des Parlaments, namentlich im Falle der parlamentarischen egierungsform
hat zur Voraussetzung, daß der Staatshaushaltsplan
in einem vorläufigen Plan, Präliminare, dem Parlament vorgelegt
werde und nur mit dessen Zustimmung Gesetzeskraft erhalte.
Aus diesen Voraussetzungen und Notwendigkeiten, die gleichzeitig
wirtschaftlicher und staatsrechtlicher Natur sind, entwickelte
sich das finanzielle und staatsrechtliche System des Staatshaushaltsplanes,
Etats, Präliminare resp. des Budgets 1 ). Vom finanzwissenschaftlichen
Standpunkte bedeutet also das Budget den für eine
bestimmte Zeitperiode, gewöhnlich für ein Jahr festgestellten Staatshaushaltsplan
resp. das denselben enthaltende Gesetz. Vom verfassungsrechtlichen
Standpunkte verstehen wir unter Budget oder
Staatshaushaltsplan das auf eine gewisse Zeitperiode bezügliche,
unter Mitwirkung der verfassungsmäßigen Faktoren nach den Begeln
der Verfassung zustande gekommene Staatshaushaltsgesetz. Das in
solcher Weise entstandene Budget nennen wir das verfassungsmäßige
Budget. Die für das Zustandekommen des Budgets
maßgebenden staatsrechtlichen Normen bilden das Budgetrecht.
Das verfassungsmäßige Budgetrecht hat sich zuerst m Englan
und Frankreich, Belgien, Ungarn, in neuerer Zeit in Deutschland
usw. entwickelt. Doch ist dasselbe noch nicht überall zur vollständigen
Geltung gekommen. So zeigen namentlich einzelne deutsche
Kleinstaaten rückständige Verhältnisse hinsichtlich des verfassungsmäßigen
Budgetrechts.
Vom Budget unterscheiden wir den Finanzplan, wie er in
einzelnen Fällen aufgestellt wird. Der Finanzplan hat den Zweck,
für eine längere Zeit eine gewisse Bindung des Staatshaushaltes
zu sichern. Manchmal geschieht dies, um gewisse Lasten auf eine
Beihe von Jahren zu verteilen (Flotten-, Heeresprogramm usw.)
oder um Ordnung in den Staatshaushalt zu bringen. Es soll oft
das richtige Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben auf diese
Weise gesichert werden. Die einzelnen Jahresbudgets müssen sich
n Die Wurzel des Wortes Budget ist budge, französisch beuge und bedeutet
Tasche. Wie es scheint, wurde das Wort Budget zum erstenmal m emer
gegen Walpole gerichteten, im Jahre 1733 publizierten Broschüre gebraucht mit
des Bedeutung, daß Walpole eine mit Wundermitteln gefüllte Tasche besitze.
— Manchmal werden sonderbarerweise auch die Schlußrechnungen Budgets genannt.
In Frankreich versteht man unter „Budget defimtiw die Schlußrechnungen
Auch Adams (Finance) nennt gegenüber dem eigentlichen Budget (estimated
budget), die Schlußrechnung „executed budget“.