Full text : Finanzwissenschaft

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5.  Buch.  Der  Staatskredit.

rationen  zur  Schaffung  solcher  Institutionen  in  Anspruch  nimmt,
deren  Vorteile  auch  die  späteren  Generationen,  manchmal  eben
nur  diese  genießen.  In  gewissem  Sinne  ist  der  Staatskredit  nur
eine  besondere  Form  der  Besteuerung,  durch  welche  auch  die
späteren  Generationen  besteuert  werden.  Damit  ist  eine  der  wichtigsten ­
  Funktionen  des  Staatskredites  charakterisiert,  gleichzeitig  aber
auch  solche  Auffassungen  zurückgewiesen,  welche  die  unbedingte
Vorteilhaftigkeit  des  Staatskredites  verkünden,  wie  dies  namentlich
Pinto,  Pereire,  Macleod  und  andere  vertreten.  In  neuerer  Zeit  wurde
auch  von  sozialistischer  Seite  Einspruch  gegen  den  Staatskredit  erhoben: ­
  hier  verdient  namentlich  der  englische  Radikale  Cobbett
Erwähnung.  Es  drängt  sich  unwillkürlich  die  Frage  auf,  ob  die
kolossalen  Steuern,  die  der  Weltkrieg  überall  verursacht  hat  und
die  in  den  kriegführenden  Staaten  wohl  die  Hälfte  des  Ertrages
des  Nationalvermögens  aufgezehrt  haben,  nicht  eine  neue  Phase  einleiten, ­
  die  zur  Aufgabe  haben  wird,  den  durch  die  Staatsschuld
verursachten  gefährlichen  Druck  in  einer  rationellen  Weise  zu
mindern  ?
3.  Zur  Rechtfertigung  des  Staatskredites  dienen  namentlich
jene,  im  Leben  des  Staates  vorkommenden  außerordentlichen  Umstände, ­
  welche  größere  Opfer  erfordern.  Während  aber  dies  zu
den  außerordentlichen  Fällen  des  Staatskredites  gehört,  finden  wir
die  Ursache  des  Staatskredites  in  jenem  ganz  gewöhnlichen  Vorkommen, ­
  daß  zwischen  Ausgaben  und  Einnahmen  kein  vollständiger
Parallelismus  besteht.  Die  Ausgaben  und  die  Einnahmen  zeigen
einen  verschiedenen  Verlauf.  In  der  Regel  werden  bei  Beginn  des
Jahres  die  Ausgaben  größer  sein,  da  ja  fast  jedes  Budget  neue
Verfügungen  enthält,  die  gleich  nach  dem  Inslebentreten  des  Budgets
realisiert  werden.  Oft  sind  schon  Bestellungen  im  Vorhinein  erfolgt. ­
  Am  Anfang  des  Jahres  werden  also  die  Ausgaben  gewöhnlich ­
  ein  besonderes  Aufstauen  zeigen.  Nicht  dasselbe  zeigt  sich
bei  den  Einnahmen,  und  in  Staaten  mit  überwiegend  landwirtschaftlicher ­
  Produktion  werden  die  Einnahmen  namentlich  nach  der
Ernte  einlaufen.  Diese  Differenz  zwischen  Einnahmen  und  Ausgaben ­
  muß  durch  Kreditoperationen  ausgeglichen  werden.  Freilich
unterliegt  es  keinem  Zweifel,  daß  die  Hauptveranlassung  zur  Entwickelung ­
  des  Staatskredites  in  dem  ersten  Falle  liegt,  in  dem
außerordentlichen  Bedürfnisse  des  Staates.  Auch  die  Größe  gewisser ­
  Ausgaben,  die  Dringlichkeit  derselben,  spielt  eine  bedeutende
Rolle.  Plötzlich  auftauchende,  ungewöhnlich  große  und  dringliche
Anforderungen  an  die  Staatskasse  können  nur  mittels  Kredit  befriedigt ­
  werden.  Solche  Anforderungen  treten  zumeist  im  Interesse
            
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