Full text : Finanzwissenschaft

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5.  Bach.  Der  Staatskredit.

des  Staatskredites  in  den  internationalen  Beziehungen  geltend.  Die
schwächeren,  fremden  Kredit  benötigenden  Staaten  geraten  in  politische ­
  Abhängigkeit  der  reichen  kreditgewährenden  Staaten,  werden
tributpflichtig  und  müssen  oft  deren  Oberhoheit  anerkennen,  deren
Kontrolle  sich  unterwerfen.  Beispiele  hierfür  die  Türkei,  Ägypten,
Griechenland,  Serbien,  Peru,  China  usw.  Im  Weltkriege  sind  alle
Staaten  der  Entente  zu  Schuldnern  von  England,  des  Geldgebers,
geworden,  England  selbst  ist  von  Amerika  abhängig  geworden  und
mußte  manche  beschämende  Bedingung  annehmen.  Die  beschämendsten ­
  Bedingungen  aber  stellte  England  an  seine  Bundesgenossen.
In  der  Regel  mußten  sie  Faustpfand  geben,  so  Golddepots.  Das
im  Juli  1916  in  Amerika  emittierte  französische  Anlehen  wurde
durch  pfandweise  Übergabe  von  argentinischen,  norwegischen,  dänischen, ­
  schweizerischen,  holländischen,  brasilianischen,  ägyptischen
Staatspapieren,  Suezkanalaktien  usw.  sichergestellt.  Jene  Theorie
des  internationalen  Rechtes,  daß  das  Vermögen  des  Einzelnen  in
die  Interessensphäre  des  Ganzen  gehöre,  verlieh  den  Staaten  das
Recht,  den  Interessen  ihrer  Untertanen  eventuell  auch  durch  militärische ­
  Intervention  Geltung  zu  verschaffen  Dies  ist  die  Ansicht
bedeutender  Völkerrechtslehrer  und  Staatsmänner.  Hieraus  ist  leicht
ersichtlich,  daß  der  Staatskredit  auch  den  Keim  internationaler
Zwiste  in  sich  birgt  und  Grund  und  Vorwand  für  Einmischung
und  Annexion  abgeben  kann.  Auch  staatsrechtliche  Konflikte  können
sich  aus  dem  Staatskredit  ergeben,  wenn  in  Staatenverbindungen
Steuer-  und  Finanzwesen  nicht  auf  gleicher  Basis  beruhen  und  auf
dem  einen  Gebiete  die  Souveränität  des  Teilstaates  nach  anderen
Prinzipien  geordnet  ist,  wie  auf  dem  andern.  Auch  insofern  birgt
der  internationale  Kredit  Gefahr,  als  es  immer  mehr  in  Gebrauch
kam,  den  Schuldnerstaat  zu  verpflichten,  seine  industriellen  Bestellungen ­
  in  dem  Gläubigerstaat  zu  machen.  Auch  im  Weltkriege
haben  die  Ententestaaten  einen  großen  Teil  der  gewährten  Kredite
in  Munition  und  Lebensmitteln  aufgenommen.
Eine  der  politischen  Folgen  des  Staatskredits  erblicken  manche
(Dudley  Baxter  usw.)  darin,  daß  derselbe  die  Konkurrenz  unter
den  einzelnen  Staaten  ungleich  macht,  da  im  wirtschaftlichen  Wetteifer ­
  jener  Staat,  dessen  Produktion  weniger  durch  Staatsschulden
belastet  ist,  den  stärker  belasteten  besiegen  wird.  Baxter  ist  besorgt ­
  um  die  Hegenomie  Englands  gegenüber  den  Vereinigten
Staaten  von  Nordamerika  und  Deutschland,  die  zwei  gefährlichsten
Konkurrenten,  da  die  Vereinigten  Staaten  ihre  Schulden  stark
amortisieren,  Deutschland  überhaupt  nur  eine  geringe  Staatsschuld
hatte.  Unleugbar  ist  die  Staatsschuld  unter  gewissen  Umständen
            
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