Full text : Finanzwissenschaft

I.  Abschnitt.  Allgemeine  Lehren.

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sische  Seehandlung  an  der  Emission  eines  russischen  Anlehns  teilnahm. ­
  Im  Jahre  1887  verjagt  Bismarck  die  in  Deutschland  plazierten ­
  russischen  Werte,  deren  Wert  auf  2 1 / 2  Milliarden  Rubel
geschätzt  wurde,  aus  Deutschland.  Deutschland  verkauft  mit  ziemlichem ­
  Verluste  die  russischen  Papiere  und  Ende  der  80  er  Jahre
ist  Deutschland  ziemlich  rein  von  russischen  Papieren.  Deutschland
erlitt  bedeutende  Verluste  an  den  russischen  Papieren  und  an  den
an  deren  Stelle  angeschafften  italienischen  Papieren,  welche  infolge
der  ungünstigen  finanziellen  Lage  Italiens  große  Kursverluste  erlitten. ­
  Rußland  dagegen,  welches  damals  gerade  eine  gute  Ernte
hatte,  verkaufte  zu  günstigen  Preisen  seine  Papiere,  namentlich  an
Frankreich,  welches  hierbei  nach  Raffalovich  (ein  vielleicht  zweifelhaftes ­
  Zeugnis!)  einen  Gewinn  von  500—600  Millionen  Franken
einheimste.  Jedenfalls  war  dies  auch  ein  starker  Hebel  zur  Befestigung ­
  der  russisch-französischen  Freundschaft,  die  wohl  Frankreich ­
  ziemlich  teuer  zu  stehen  kam.
Viele  Beispiele  ließen  sich  aus  der  Finanzgeschichte  einzelner
Staaten  dafür  anführen,  welche  Folgen  eine  unsittliche  Kreditwirtschaft ­
  mit  sich  führt.  Am  Anfange  des  19.  Jahrhunderts  kommt
Österreich  nach  Emission  sogenannter  Tilgungsaniehen,  dann  Zwangsanlehen,
  worunter  wohl  am  klassischesten  die  sogenannten  Arrosionsanlehen
  (vielleicht  besser  „zur  Ausbeutung  der  Gläubiger  bestimmte
Anlehen“)  zu  den  abenteuerlichsten  Plänen :  Konfiskation  aller  Gegenstände ­
  aus  Edelmetall,  Konfiskation  der  Kirchenschätze  und  Kirchengüter, ­
  endlich  zu  dem  Patent  vom  20.  Februar  1811  traurigen
Angedenkens.  An  der  Tagesordnung  ist  die  Nichteinhaltung  von
Zahlungsterminen,  Einstellung  der  Zinsenzahlung;  Gelder  werden
gegen  ihre  Bestimmung  verwendet.  Die  Versprechen  des  Herrschers
sind  nicht  mehr  wert,  als  leere  Worte.  Mehrmals  wird  das  Versprechen ­
  gegeben,  daß  Papiergeld  überhaupt  nicht  emittiert
wird  oder  bloß  in  beschränkter  Quantität.  All  das  steht  aber
mit  den  Tatsachen  in  grellem  Widerspruch.  Anstatt  der  auf
45  Millionen  Gulden  festgesetzten  Antizipationsscheinen  werden
426  Millionen  ausgegeben.  Bei  den  Prämienschulden  wird  die
Ziehung  auf  10  Jahre  verschoben.  Ähnliches  finden  wir  in  anderen
Staaten.  In  Frankreich  werden  von  Privaten  zu  wohltätigen
Zwecken  gesammelte  Gelder  zu  staatlichen  Zwecken  verwendet  und
als  der  Minister  Lomenie  zurücktritt,  war  in  den  Staatskassen  nur
ein  Betrag  von  400000  Frank,  dessen  Hälfte  der  scheidende  Minister ­
  mit  sich  nahm.
12.  Der  Staatskredit  verursacht  dem  Staate  natürlich  ansehnliche ­
  Kostein  Von  den  Finanzschriftstellern  hat  sich  namentlich
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