Full text : Finanzwissenschaft

I.  Abschnitt.  Das  Budget.

77

tizit  nachgewiesen  ist,  das  aber  im  Endresultat  sich  ergibt,  sprechen
wir  vom  Schlußrechnungsdefizit.  Das  Defizit  ergibt  sich  entweder
in  der  ordentlichen  oder  in  der  außerordentlichen  Gebarung;  das
erstere  ist  das  gefährlichere,  indem  es  zum  Ausdruck  bringt  daß
selbst  die  ordentlichen  Ausgaben  durch  die  ordentlichen  Einnahmen
nicht  gedeckt  werden  können.  Hier  kann  nur  eine  Streckung  der
ordentlichen  Einnahmequellen  helfen.  Die  erste  "V  oraussetzung  dei
rationellen  Führung  des  Staatshaushaltes  ist,  daß  die  ordentlichen
Einnahmen  die  ordentlichen  Ausgaben  decken,  während  es  weniger
gefährlich  ist,  wenn  die  ordentlichen  oder  außerordentlichen  Einnahmen ­
  die  außerordentlichen  Ausgaben  nicht  zu  decken  vermögen.
Die  Bedeutung  des  Defizits  ist  höchst  verschieden,  je  nachdem  es
vorübergehend  oder  andauernd,  akut  oder  chronisch  ist  Akute
Defizite  können  infolge  außerordentlicher  Verhältnisse  auch  in  dem
geordnetsten  Staatshaushalte  entstehen,  aber  das  chronische  Defizit
weist  auf  einen  krankhaften  Zustand  des  Staatslebens  hm,  auf  die
Inkongruität  von  Staatszwecken  und  Staatsmitteln.  Die  Heilung
des  chronischen  Defizits  kann  erst  dann  als  gelungen  betrachtet
werden,  wenn  jene  Ursachen  entfernt  werden,  welche  dasselbe  hervorrufen, ­
  während  bei  deren  Verbleiben,  wenn  es  auch  in  dem  einen
oder  anderen  Jahre  gelingt,  das  Defizit  zu  eliminieren,  dasselbe
alsbald  wiederkehren  wird.  Neben  dem  eigentlichen  Defizit  unterscheidet ­
  man  oft  das  Kassendefizit,  welches  sich  aus  der  verschiedenen ­
  Periodizität  von  Einnahmen  und  Ausgaben  ergibt.  Solche
Defizite  werden  entweder  aus  den  Kassenbeständen  oder  durc  i
Aufnahme  schwebender  Schulden  beseitigt.  Das  Defizit  ist  oft  ein
verstecktes,  wenn  Ausgaben  nicht  eingestanden  werden,  ein  scheinbares, ­
  wenn  Vermögensgegenstände  angeschafft  werden.  \  iel  seltener
als  Defizite  zeigen  sich  im  Staatshaushalte  Überschüsse,  bei  denen
beiläufig  gleichfalls  die  obigen  Unterschiede  gemacht  werden  können.
Natürlich  bergen  die  Überschüsse  keine  Gefahren,  aber  auch  deren
Stabilisierung  ist  nicht  immer  ein  günstiges  Zeichen,  da  in  diesem
Falle  eine  Keduzierung  der  Einnahmequellen  geraten  ist.  Aber
auch  andere  Komplikationen  können  sich  aus  der  Uberschuß  wirtschaft ­
  ergeben,  wie  dies  vor  Jahren  das  Beispiel  der  Vereinigten
Staaten  zeigte,  wo  die  Einnahmen  —  hauptsächlich  Zolle  —  so
bedeutend  waren,  daß  die  Verwendung  derselben  große  Sorge  bereitete, ­
  denn  die  Rückzahlung  der  Staatsschulden  war  den  Staatsgläubigern ­
  nicht  genehm,  die  Herabsetzung  der  Zölle  hinwieder
stieß  auf  den  Widerstand  der  geschützten  Industrien.  Die  Überschüsse ­
  lassen  sich  im  allgemeinen  am  zweckmäßigsten  zur  Schuldentilgung, ­
  zur  Vermehrung  des  Staatsvermögens,  zur  Stärkung  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.