Full text: Brauerei F. A. Ulrich, Leipzig

gewöhnlich am Morgen nach dem Brauen auf Tonnen abgefüllt. Dieses Brauverfahren, das von dem 
heutigen in vielen Beziehungen verschieden ist, kannte also noch keine maschinellen Vorrichtungen und stellte 
die Qualitätsunterschiede meist nur dadurch her, daß ein mehrmaliger Aufguß auf die Würze erfolgte, so daß 
die einzelnen Partien immer leichter wurden. Auch das Kochen des Wassers und der Maische erfolgte noch 
auf offenem Feuer, ein ziemlich umständliches Verfahren, da leicht Überkochen oder Verbrühen des Braugutes 
erfolgen konnte, wenn die Pleizer nicht besonders sorgsam verfuhren. 
Gleichwohl erhielt sich dieser primitive Betrieb, der, abgesehen von den Wandlungen der Geräte, schon 
bei den alten Klosterpatres üblich gewesen sein mag, noch längere Zeit. Im Jahre 1879 stellte die Brauerei 
Ulrich die erste Dampfmaschine ein, und in den folgenden Jahren brachte die Rührigkeit des Besitzers, der den 
Frzeugnissen der Brauerei einen guten Ruf zu sichern wußte, in Anpassung an die Fortschritte der Technik 
eine völlige Umwandlung des Brauverfahrens wie der veralteten Braueinrichtungen, zumal auch der Geschmack 
Teilansicht des Gärkellers 
des Publikums die untergärigen Biere zu bevorzugen begann, so daß die obergärigen Biere in den Hintergrund 
treten mußten 
Unter der Rettung des Herrn Friedrich August Ulrich nahm die Brauerei eine erfreuliche Entwicklung, 
so daß sie allmählich ihre Räume vergrößern mußte. Bereits 1900 wurde die Brauerei von C. F. Riebscher in 
Großzschocher dazu erworben, um dort die Flaschenbierabteilung und eine Filiale des Reipziger Unternehmens 
einzurichten. Umfangreiche Umbauten und die Ausstattung mit modernsten Maschinen und Apparaten haben 
diese Abteilung auf eine Reistungsfähigkeit von zirka 12000000 Flaschen jährlich gebracht, und in derselben 
Zeit ist auch die Reipziger Brauerei, die in der allerersten Zeit jährlich kaum 3000 Zentner Malz verbraute, 
in ihrer Produktion von Jahr zu Jahr gesteigert worden, so daß das Unternehmen jetzt an dritter Stelle unter 
den Reipziger Brauereien rangiert und die größte Brauerei Reipzigs bzw. Sachsens in Privatbesitz ist. Die 
ungeheure Verteuerung der Produktion durch die Steuergesetze von 1906 und 1909 und die damit verbundene 
Erhöhung der Bierpreise haben zwar auch hier, wie bei allen deutschen Brauereien, einen Stillstand in der 
Entwicklung hervorgerufen, aber rastloser Fleiß und unablässige Bemühungen zur Verbesserung der Reistungs 
fähigkeit und Qualität haben verursacht, daß sich Produktion und Absatz der Brauerei wieder in steigender 
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